Ärzte Zeitung online, 18.01.2011

Höhere Männer-Sterblichkeit kommt vor allem vom Rauchen

In Island nur geringe Unterschiede bei Lebenserwartung von Männern und Frauen

GLASGOW/LONDON (dpa). Das Rauchen trägt entscheidend zur erhöhten Sterblichkeit von Männern bei - im Vergleich zu gleichaltrigen Frauen. Dies geht aus einer Auswertung schottischer Wissenschaftler hervor, die Daten der WHO für 30 europäische Länder analysierten, darunter auch Deutschland. Der blaue Dunst tötete in diesen Staaten doppelt so viele Männer wieder Alkohol.

Höhere Männer-Sterblichkeit kommt vor allem vom Rauchen

Skeptisch beim Qualmen: Am Dunst sterben mehr Männer als am Alkohol.

© Brett Mulcahy / fotolia.com

In allen untersuchten Ländern hatten die Männer eine höhere Sterblichkeit als die Frauen gleichen Alters. 40 bis 60 Prozent davon seien auf Rauchen zurückzuführen, schreiben die Forscher (Tob Control online).

Die höhere Lebenserwartung von Frauen europaweit ist Gegenstand vieler Gesundheitsdebatten. Als Ursache wird unter anderen angegeben, dass Frauen häufiger einen Arzt aufsuchen, oder einfach eine andere Konstitution haben.

Gerry McCartney und Kate Hunt untersuchten nun Daten zu den Todesursachen. Als Gründe im Zusammenhang mit Rauchen gelten Krebs in den Atemwegsorganen, sowie bestimmte Herz-, Gefäß- und Lungenerkrankungen. Zu den Alkoholfolgen zählen unter anderem Lebererkrankungen sowie ein Krebs der Speiseröhre.

Die Forscher entdeckten große Unterschiede in den einzelnen Ländern. In Island war die Differenz zwischen Männern und Frauen besonders klein, in der Ukraine war sie am höchsten.

Deutschland lag im Mittelfeld. Dort ging die Hälfte des Sterblichkeitsunterschieds zwischen Männern und Frauen auf Zigaretten zurück, etwa ein Fünftel auf Alkohol.

Der Anteil von Alkoholschäden an der erhöhten Männer-Sterblichkeit lag mit 20 bis 30 Prozent in osteuropäischen Ländern höher als im Rest von Europa (10 bis 20 Prozent). Beim Thema Zigaretten nahm Malta mit 74 Prozent einen besonders hohen Wert ein.

McCartney und Hunt folgern, dass veränderte Gewohnheiten in Bezug auf das Rauchen langfristig zu einem geringeren Unterschied in der Lebenserwartung führen werden.

Die Autoren geben zu bedenken, dass in der Studie Ungenauigkeiten aufgetreten sein könnten, beispielsweise bei Krankheiten, die sowohl durch Rauchen als auch durch Alkohol verursacht werden.

Darüber hinaus könne es Unterschiede bei der Verschlüsselung der Daten in den einzelnen Ländern geben. Die WHO- Daten stammen aus den Jahren 2003 bis 2006, mit einem Schwerpunkt auf 2005.

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