Ärzte Zeitung online, 03.03.2011

Plötzliche Nikotinabstinenz kann Hinweis auf Lungenkrebs sein

PHILADELPHIA (ner). Wenn es langjährigen Rauchern plötzlich leicht fällt, den Nikotingenuss sofort aufzugeben, könnte dies ein Warnzeichen sein. Denn genau diesen Effekt haben US-Forscher im Mittel drei Jahre vor der Diagnose "Lungenkrebs" beobachtet.

Fällt Nikotinabstinenz plötzlich leicht, kann das Hinweis auf Lungenkrebs sein

Nein, Danke: Lungenkrebs?

© Anyka / fotolia.com

"Es ist allgemein bekannt, dass viele Lungenkrebspatienten aufgehört haben zu rauchen, bevor die Diagnose Lungenkrebs gestellt wird", sagt Professor Barbara G. Campling von der Thomas Jefferson University in Philadelphia im US-Staat Pennsylvania.

Sie und ihre Kollegen haben jetzt allerdings festgestellt, dass die Aufgabe des Lasters keineswegs etwas mit ersten Symptomen der Krebserkrankung zu tun haben muss. Vielmehr beenden viele Raucher den Nikotinabusus bereits einige Zeit, bevor Krankheitszeichen auftreten.

Campling und ihre Mitarbeiter haben bei einer Befragung von 115 Lungenkrebspatienten - alle waren Raucher - festgestellt, dass trotz mehrfacher erfolgloser Versuche, abstinent zu werden, es sehr vielen plötzlich leicht fiel, die Zigarettenschachtel unberührt zu lassen (J Thorac Oncol 2011, 6: 517).

Insgesamt hatten 55 Patienten (48 Prozent) der Studie vor ihrer Lungenkrebs-Diagnose aufgehört zu rauchen. Nur sechs von ihnen hatten zu diesem Zeitpunkt Symptome. Und obwohl die Nikotinabhängigkeit nachweislich unverändert war, hatten 31 Prozent überhaupt kein Problem damit, das Rauchen aufzugeben.

Selbst unter immer noch rauchenden Lungenkarzinom-Patienten hatte mehr als jeder Dritte den Tabakkonsum in dem Jahr vor der Diagnose um mindestens die Hälfte reduziert.

Das Intervall zwischen dem Rauchstopp und der Diagnose "Lungenkrebs" betrug im Median 2,7 Jahre, ein Zeitpunkt, zu dem mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits oft Krebsherde vorhanden gewesen sein müssen, so Campling.

Was diese überraschenden Erkenntnisse genau zu bedeuten haben, ist noch unklar. Eine Hypothese lautet, dass die spontane Nikotinabstinenz als Symptom mancher Lungenkarzinome gewertet werden müsse.

Der Tumor produziere womöglich Faktoren, die die Effekte von Nikotin blockieren oder nachahmen. Es könnten aber auch antiaddiktive Prozesse im Gehirn angestoßen werden, die die Dopamin-Freisetzung beeinflussen.

Die Studienautoren meinen, dass man dieses Phänomen nutzen könnte, um Lungenkrebs in einem früheren Stadium als es derzeit meist der Fall ist, zu identifizieren.

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