Ärzte Zeitung, 05.09.2014

Bronchialkrebs

Männer aufgepasst bei Lungenleiden!

Welchen Einfluss haben Lungenkrankheiten wie Emphysem, Bronchitis, Asthma oder Pneumonie auf das Risiko, an einem Bronchialkarzinom zu erkranken? Forscher haben das jetzt untersucht - und Geschlechterunterschiede entdeckt.

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Vor allem bei Männern erhöhen Lungenkrankheiten das Krebsrisiko.

© Lisa F. Young / fotolia.com

LYON. Die Wissenschaftler um Rachel Denholm von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO haben im Zuge des SYNERGY-Projektes die Daten von sieben Fall-Kontroll-Studien aus Europa und Kanada gepoolt: 12.739 Patienten mit Lungenkrebs und 14.945 Kontrollprobanden wurden gegenübergestellt (Am J Respir Crit Care Med, 2014; 190 (5 ): 549-559).

So wollten die Forscher ergründen, welchen Einfluss die Diagnose einer chronischen Bronchitis, eines Lungenemphysems, von Tuberkulose, Pneumonie oder Asthma auf das Risiko hat, später an einem Bronchial-Ca zu erkranken. Die Analysen waren unter anderem nach Alter, Beruf und Raucherstatus abgeglichen.

Drei Lungenleiden waren positiv mit dem Krebsrisiko assoziiert: chronische Bronchitis, Emphysem und Pneumonie.

Das galt besonders für Männer. Im Durchschnitt erhöhte bei ihnen ein Emphysem das Quotenverhältnis (Odds Ratio) für Lungenkrebs um 50 Prozent, eine chronische Bronchitis um 33 Prozent und eine Pneumonie um 24 Prozent.

Für Pneumonie galt das aber nur, wenn sie höchstens zwei Jahre vor der Krebserkrankung aufgetreten war.

Frauen: Nur Bronchitis steigert Risiko

Bei Frauen erwies sich streng genommen nur die Bronchitis als Risiko, die Odds Ratio fiel um 25 Prozent höher aus. Im Mittel waren zwar auch Emphysem, Tuberkulose und Pneumonie mit einem gesteigerten Risiko verbunden, die 95-Prozent-Konfidenzintervalle waren hier aber allesamt mit einem Nulleffekt vereinbar.

Traten mehrere Lungenkrankheiten gemeinsam auf, war das Risiko meist stärker erhöht als durch die einzelnen Leiden allein. Möglicherweise spielen die entzündlichen Prozesse bei diesen Erkrankungen eine Rolle bei der Tumorentstehung.

Asthma stand tendenziell in einer inversen Beziehung zur Krebsgefahr. Am deutlichsten war das bei Probanden zu sehen, deren Asthmadiagnose fünf Jahre oder länger zurücklag.

Die Risikoreduktion erreichte je nach Berechnung etwa 20 bis 40 Prozent. Das mag daran liegen, dass Asthmatiker Risikofaktoren wie Rauchen oder gefährdete Berufe meiden.

Vielleicht führt Asthma aber auch zu einer effektiveren Elimination abnormer Zellen. Auch die Therapie mit Steroiden könnte zur inversen Relation von Asthma und Lungenkrebs beitragen.

Das SYNERGY-Projekt wird unterstützt von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), dem Spitzenverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften und der Unfallkassen.

In der Koordination arbeiten das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV, das IARC und das Institute for Risk Assessment Sciences der Universität Utrecht zusammen. (rb)

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