Ärzte Zeitung, 24.01.2017
 

Lungenkrebs

Kombination von Immuntherapeutika bringt Vorteile

Bei Lungenkrebs-Patienten mehren sich Hinweise für einen zusätzlichen Nutzen durch Kombination von Immuntherapien. Die Schattenseite: In bestimmten Fällen treten auch mehr Nebenwirkungen auf.

Von Peter Leiner

 Kombination von Immuntherapeutika 
    bringt Vorteile

Lungenkrebszellen; beim fortgeschrittenen NSCLC haben sich die Therapiechancen verbessert.

© Sebastian Schreiter / Springer

TAMPA / FLORIDA. Durch die Checkpointhemmung mithilfe monoklonaler Antikörper gelingt es bei Krebspatienten, die durch Tumorzellen auferlegte Hemmung der Immunabwehr aufzuheben. Mit Ipilimumab, einem Antikörper gegen den Oberflächenmarker CTLA-4, ist das bei Melanompatienten erstmals eindrucksvoll belegt worden. Ein anderer Antikörper dieser Klasse ist Tremelimumab. Ein zusätzlicher Checkpoint, dessen Hemmung therapeutisch nutzbar ist, ist der Oberflächenmarker PD1, gegen den Nivolumab und Pembrolizumab gerichtet sind.

Daten von 747 NSCLC-Patienten

Da die Monotherapie mit Immuntherapeutika dieser Klassen nicht optimal ist und die Antikörper unterschiedliche Angriffspunkte haben, lag es nahe, zum Beispiel bei Patienten mit Lungenkrebs den Nutzen von Kombinationstherapien zu prüfen.

In Deutschland ist bereits eine immuntherapeutische Kombination – Nivolumab plus Ipilimumab – zugelassen, und zwar bei Melanompatienten. Welchen Effekt ähnliche Kombinationen bei Lungenkrebspatienten bisher in Studien gehabt haben, haben sich nun US-amerikanische Onkologen um Dr. Tawee Tanvetyanon vom H. Lee Moffitt Cancer Center and Research Institute in Tampa etwas genauer angeschaut (Exp Opin Biol Ther 2017; online 9. Januar).

Aus den bisherigen Studien geht nach Ansicht der Ärzte hervor, dass Kombinationstherapien bei Patienten mit Lungenkrebs helfen, die objektive Ansprechrate (ORR) im Vergleich zur Monotherapie zu erhöhen. In mehreren Studien mit insgesamt 747 Patienten, die an einem metastasierten nicht kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) erkrankt waren, lag die ORR bei Monotherapie mit einem Antikörper gegen PD1 oder dessen Liganden PD-L1 bei 19 Prozent (95 Prozent-Konfidenzintervall zwischen 16 Prozent und 22 Prozent).

Wurde jedoch ein solcher Antikörper mit einem Anti-CTLA-4-Antikörper kombiniert verabreicht (n = 181 Patienten), lag die ORR bei 30 Prozent (95 Prozent-Konfidenzintervall zwischen 24 Prozent und 38 Prozent). Die Ärzte weisen darauf hin, dass es bisher noch wenige Daten zu Subgruppen etwa mit PD-L1-positiven bzw. -negativen Patienten gebe, sodass unklar sei, ob das Therapieergebnis durch den PD-L1-Status beeinflusst wird. Wichtig seien nun Studien mit dem Gesamtüberleben als primärer Endpunkt.

Erfolg auch bei kleinzelligem Tumor

Auch bei Patienten mit schnell fortschreitendem kleinzelligem Lungenkrebs gibt es erste Hinweise auf einen Nutzen der kombinierten Immuntherapie. Tatsächlich liegt die ORR statt bei 10 Prozent nach einer Monotherapie bei 21 Prozent nach einer Kombinationstherapie mit Checkpointhemmern. Allerdings seien auch in dieser Patientengruppe größere Studien erforderlich, in denen die Wirkung auf das Gesamtüberleben überprüft wird.

Durch die Kombination von Checkpointhemmern steigt jedoch offenbar die Rate an unerwünschten Wirkungen. Als Beispiel nennen die Onkologen Studien mit vorbehandelten NSCLC-Patienten, die mit Ipilimumab plus Pembrolizumab behandelt wurden.

Schwere therapieassoziierte Nebenwirkungen traten unter der Kombinationstherapie bei 49 Prozent der Patienten auf, in der Gruppe mit einer Pembrolizumab-Monotherapie dagegen nur bei 10 Prozent. Bei der Kombinationstherapie mit Durvalumab plus Tremelimumab wurde eine Nebenwirkungsrate von 42 Prozent beobachtet, unter Durvalumab allein von nur 8 Prozent, wie Tanvetyanon und seine Kollegen berichten. Die Patienten mit Nebenwirkungen der kombinierten Immuntherapie mit Antikörpern gegen PD1 oder seinen Liganden klagten vor allem über Durchfall und Kolitis. Das sei vor allem bei gebrechlichen Patienten oder bei Patienten mit Komorbiditäten zu beachten, so die Ärzte.

Allerdings sei auch zu bedenken, dass die Rate der schweren Nebenwirkungen etwa im Vergleich zur konventionellen Monochemotherapie etwa mit Docetaxel niedriger liege. Unter der Taxan-Monotherapie betrage sie Berichten zufolge mehr als 50 Prozent.

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