Ärzte Zeitung, 20.02.2009

Kalter Kaffee als heiße Geschichte verkauft

Das TV-Polit-Magazin "Monitor" wiederholt erneut die Vorbehalte gegen die HPV-Impfung.

Von Wolfgang Geissel

HPV-Impfungen in der Kritik - "Monitor"-Sendung vom 19. Februar.

Foto: Monitor

Neu ist es nicht, was das TV-Magazin "Monitor" am Donnerstag über die HPV-Impfung berichtet hat. Die geäußerten Vorbehalte werden seit einem Jahr immer wieder in leicht geänderter Form wiederholt und sind ausführlich von der Bundesregierung, dem Paul-Ehrlich-Institut und auch der Ständigen Impfkommission geprüft und bewertet worden.

Die Geschichte bedient aber so viele Klischees, dass das TV-Polit-Magazin es einfach noch einmal bringen musste: Da ist die böse Pharma-Industrie, die viel Geld verdient, den Impfstoff angeblich mit aggressiver Werbung in den Markt drückt, Nebenwirkungen verschweigt und die Wirksamkeit viel zu günstig darstellt. Hinzukommt der Vorzeigeprofessor, der wahrscheinlich nur durch Gemauschel zwischen Jury und Industrie für das Impfprinzip den Nobelpreis bekommen habe.

Und abgerundet wird der Beitrag mit Personen, die immer etwas zu sagen haben, wenn es gilt, der Pharma-Industrie eins auszuwischen: Professor Wolf-Dieter Ludwig von der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft und Professor Peter Sawicki vom IQWiG. Ein ausgewogener Bericht hätte hier auch andere Stimmen zu Wort kommen lassen: etwa das Paul-Ehrlich-Institut, das als Zulassungsbehörde unabhängig Nutzen und Risiken des Impfstoffs beurteilt. Oder die Ständige Impfkommission, die es ablehnt, die Impfung neu zu bewerten, weil es einfach keine neuen Fakten dazu gibt.

Manifest von 13 Kritikern der HPV-Impfung und Stellungnahme des Paul-Ehrlich-Instituts:
Diskussion um HPV-Impfstoffe neu entfacht - eine Dokumentation

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