Ärzte Zeitung, 04.02.2016

HPV-Impfung

In Zukunft weniger Fälle von Zervix-Ca?

Mehr Impfen gegen HPV! fordern Experten: Daten aus Australien zeigen, dass die Zervixkrebsvorstufen zurückgehen.

WIESBADEN/NEU ISENBURG. Nur 30 bis 40 Prozent der Mädchen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren sind in Deutschland gegen Humane Papillomaviren (HPV) geimpft - nicht einmal jedes zweite Mädchen.

Zum Vergleich: In Australien liegt die Impfrate bei über 80 Prozent. Daher will sich Hessen 2016 intensiv in der Prävention von Zervixkarzinomen durch die HPV-Vakzine engagieren.

"Praktisch jeder Gebärmutterhalskrebs steht mit Humanen-Papilloma-Viren in Verbindung", sagte Medizin-Nobelpreisträger Professor Harald zur Hausen auf einer Veranstaltung in Zusammenhang mit der Krebspräventionsinitiative "Du bist kostbar - Hessen gegen Krebs".

Die HPV-Vakzine sei ein sicherer und effektiver Impfstoff zur Vorbeugung des Zervixkarzinoms, so der Experte.

Positive Zahlen aus Australien

Aber die HPV-Impfung kann noch mehr: Denn die Zahl der Genitalwarzen bei Mädchen und Frauen ist in Australien nach Einführung eines HPV-Impfprogramms deutlich zurückgegangen.

Im Jahr 2007 hatte das Land das Schulimpfprogramm gestartet und kostenlose Impfungen für Mädchen im Alter von 12 bis 13 Jahren angeboten (BMJ 2013; 346: 2942ff ).

Auch die Zahl der Zervixkrebsvorstufen hat sich in Australien bereits deutlich verringert. Für zur Hausen ist das ein Hinweis darauf, dass in Zukunft auch die Zahl der Zervixkarzinome zurückgehen wird.

Für konkrete Aussagen sei es derzeit aber noch zu früh: "Zwischen Infektion und einer Krebserkrankung können 15 bis 30 Jahre liegen."

Eine HPV-Impfung schütze allerdings nicht nur Mädchen. Denn von den rund 200 verschiedenen HPV-Typen stünden viele im Verdacht, auch andere Krebsarten auszulösen, erinnerte zur Hausen.

Dazu gehörten etwa Kopf-Hals-Tumoren und Analkarzinome. Daher könnten auch Jungen direkt von einer HPV-Impfung profitieren.

Impfung für Jungen gefordert

Anlässlich des Weltkrebstages fordert auch die Stiftung Männergesundheit, neben Mädchen auch Jungen eine kostenlose HPV-Schutzimpfung anzubieten.

Jungen die Impfung zu verwehren sei ein Verstoß gegen den im Grundgesetz verankerten Gleichheitssatz, schreibt die Stiftung in einer Mitteilung.

Es sei eine Tatsache, dass Jungen nicht dieselbe Möglichkeit wie Mädchen hätten, ihr Risiko für HPV-assoziierte Krebserkrankungen zu senken.

Die Stiftung habe daher eine Petition im Deutschen Bundestag eingereicht, um die Empfehlung der Ständigen Impfkommission auf Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren auszuweiten und auch für sie eine kostenlose HPV-Impfung anzubieten. (bae)

Lesen Sie dazu auch:
Weltkrebstag: HPV-Impfung auch für Jungen gefordert

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Bundestag will zweite Runde für TSVG

Die erste Anhörungsrunde zum Termineservicegesetz verlief erwartungsgemäß kontrovers. Der Gesundheitsausschuss hat für den 13. Februar eine weitere Anhörung angesetzt. mehr »

Paul Ehrlich-Preis für Forschung zu Proteinfaltung

Für ihre Forschung zu Chaperonen erhalten Franz-Ulrich Hartl und Arthur L. Horwich den Paul Ehrlich-Preis 2019. Ihre Erkenntnisse könnten für neue Therapien bei neurodegenerativen Erkrankungen eingesetzt werden. mehr »

Ärzte sehr enttäuscht über Brexit-Votum

Das britische Parlament hat das von Premierministerin May ausgehandelte Brexit-Abkommen mit der EU abgeschmettert. Ärzte und Pharmabranche zeigen sich enttäuscht – und fordern endlich Klarheit. mehr »