Ärzte Zeitung online, 24.02.2017
 

Gebärmutterkrebs

Schützt Sport vor Endometrium-Ca?

Gut jedes fünfte Endometriumkarzinom ließe sich durch mehr körperliche Aktivität verhindern, wie eine prospektive Kohortenstudie aus Norwegen ergeben hat.

TROMS¢. Je mehr sich die Teilnehmerinnen der NOWAC(Norwegian Women and Cancer)-Studie körperlich betätigten, desto seltener erkrankten sie am Endometriumkarzinom. Das ist die Quintessenz der prospektiven Kohortenstudie, an der 52.370 Frauen im Alter zwischen 30 und 70 Jahren beteiligt waren (Int J Cancer 2017; online 20. Januar). Das mittlere Alter zu Studienbeginn lag bei 51 Jahren. Über einen Zeitraum von im Mittel knapp 13 Jahren wurde bei 687 Teilnehmerinnen ein Endometrium-Ca diagnostiziert. Letzterer stellte sich bei 83,8 Prozent als östrogenabhängiger Tumor vom Typ 1 heraus.

Kristin B. Borch von der Arctic University of Norway in Troms¢ und ihr Team hatten die Frauen zweimal zu ihrer körperlichen Aktivität befragt: zu Studienbeginn sowie sechs bis acht Jahre später. Dabei zählte nicht nur Freizeitsport, sondern auch Bewegung im Haushalt, im Arbeitsalltag oder unterwegs.

Das Aktivitätslevel wurde von den Frauen selbst auf einer Skala zwischen 1 und 10 bewertet, wobei 1 einem sehr niedrigen und 10 einem sehr hohen Niveau entsprach. Als Referenz diente der Bereich von 5 bis 6 auf der Skala. In diesen fielen 43 Prozent der Frauen. 74 Prozent waren ebenso aktiv oder noch aktiver (5 bis 10).

Wie Borch und Kollegen berichten, hatten Frauen auf dem Level 1 bis 2 ein um 60 Prozent höheres Erkrankungsrisiko als die Teilnehmerinnen in der Referenzgruppe. Auf dem höchsten Level (9 bis 10) war das Risiko um relative 27 Prozent geringer.

Bei Werten von 4 und darunter, so errechneten Borch und ihr Team, könnten 21,9 Prozent der Endometriumkarzinomfälle dadurch vermieden werden, dass die Frauen ihre Aktivität auf ein Level von 5 oder mehr steigerten. In ihrem Rechenmodell berücksichtigten die Forscher BMI, Rauchen und Alkoholkonsum, Beginn der Menarche, Zahl der Geburten, Menopausenstatus, Einnahme von Kontrazeptiva und Hormonersatztherapie. Da der BMI gemeinhin als starker Risikofaktor für die Entwicklung von Endometriumkrebs gilt, hatten Borch und ihr Team beschlossen, den Zusammenhang zur körperlichen Aktivität in drei unterschiedlichen Gruppen zu untersuchen: bei normalgewichtigen, übergewichtigen und adipösen Frauen. Hier zeigte sich, dass ein niedriges Aktivitätslevel nur in der Gruppe der adipösen Frauen signifikant mit dem Erkrankungsrisiko verknüpft war (HR = 3,08). Allerdings war der Interaktionstest für die beiden Variablen nicht signifikant.

Ob es an dem Einfluss der Bewegung auf die endogenen Geschlechtshormonspiegel liegt oder ob der Effekt möglicherweise insulinvermittelt ist – beides stellen die Forscher zur Debatte –, wird man noch herausfinden müssen. Letztlich, so die Forscher, habe die Studie bestätigt, dass mangelnde Bewegung einen unabhängigen Risikofaktor für die Erkrankung am Endometriumkarzinom darstelle. Der BMI hatte das Ergebnis offenbar nicht wesentlich beeinflusst.

Borch und ihr Team empfehlen jedoch, die Ergebnisse zurückhaltend zu interpretieren; insbesondere könne man aus der Studie keine Empfehlung für ein bestimmtes Maß an Aktivität ableiten. (eo)

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