Ärzte Zeitung, 09.05.2018

Metaanalyse bestätigt

HPV-Impfung schützt gut vor Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs

Metaanalyse bestätigt: HPV-Impfung schützt gut vor Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs

Vor allem Frauen, die im Alter von 15 bis 26 Jahren geimpft wurden, haben der Metaanalyse zufolge ein deutlich geringeres Risiko, Krebsvorstufen, also hochgradige zervikale intraepitheliale Neoplasien, zu entwickeln.

© Mathias Ernert, Arztpraxis Dr. Peter Schmidt

LONDON. Die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) schützt junge Frauen recht gut vor den Vorstufen des Zervixkarzinoms, bestätigt nun eine große Metaanalyse.

Vor allem Frauen, die im Alter von 15 bis 26 Jahren geimpft wurden, haben demnach ein deutlich geringeres Risiko, solche Krebsvorstufen, also hochgradige zervikale intraepitheliale Neoplasien (CIN 2 und 3), zu entwickeln, berichtet die Cochrane Library. Außerdem fanden sich keine Hinweise dafür, dass die Impfung schwere Nebenwirkungen hat.

Die Cochrane-Forscher sichteten für die Metaanalyse die Ergebnisse von 26 randomisierten Studien weltweit. Mehr als 73 400 Frauen aus allen Kontinenten hatten über dreieinhalb bis acht Jahre lang daran teilgenommen.

Bewertet wurden Studien mit dem bivalenten Impfstoff, der sich gegen die beiden Hochrisiko-HPV-Typen 16 und 18 richtet sowie Studien mit dem quadrivalenten Impfstoff, der sich gegen HPV16/18 und zwei Niedrigrisiko HPV-Typen richtet, die Genitalwarzen verursachen.

Daten von einem neueren Impfstoff, der sich gegen neun HPV-Typen richtet, waren nicht in die Metaanalyse einbezogen worden.

Das Ergebnis: Von 10 000 Frauen, die zum Start der Studien keine HPV-Infektion hatten, entwickelten später zwei Frauen trotz einer Impfung Krebs-Vorstufen. In der Placebo-Gruppe war dies bei 164 Frauen der Fall.

Bei älteren Frauen war Impfung weniger wirksam

Auch beim Blick auf alle Studienteilnehmerinnen – HPV infiziert oder nicht – verringerte eine Impfung bei 15- bis 26-Jährigen die Zahl derjenigen mit solchen Läsionen durch HPV 16/18. 157 pro 10 000 erkrankten daran. Bei den Placebo-Kandidatinnen waren es hingegen 341. Bei den älteren Frauen war die Impfung weniger wirksam.

Die Cochrane-Mediziner betonen jedoch, dass keine der Studien lange genug lief, um die Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs zu untersuchen.

"Gebärmutterhalskrebs kann sich viele Jahre nach der HPV-Infektion und nach der Läsionenbildung entwickeln", betont die Onkologin Jo Morrison vom Musgrove Park Hospital im britischen Somerset. "Deshalb sind Folgestudien notwendig."

Die Ärztin geht zwar davon aus, dass die Krebsraten in Zukunft durch die Impfung sinken werden. Aber: "Sie kann nicht alle Fälle verhindern, und es ist wichtig, regelmäßig zur Vorsorge zu gehen – auch nach einer Impfung."

Anhaltende Skepsis

In Deutschland hat sich die Impfung bislang nicht in der Breite durchgesetzt – auch wegen anhaltender Skepsis über mögliche Nebenwirkungen. 2015 waren nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) nur 45 Prozent der 17-jährigen Mädchen komplett drei Mal geimpft.

"Um möglichst hohe HPV-Impfquoten zu erzielen, ist zu erwägen, deutschlandweit Schulimpfprogramme einzurichten, um möglichst auch jene Kinder zu erreichen, die im Alter von 9 bis 14 Jahren keinen Arzt oder keine Ärztin besuchen", ergänzt Thomas Harder, RKI-Experte für Impfprävention.

Das ist in Hessen bereits mit Erfolg der Fall. "Das 2015 begonnene Schulimpfprogramm an Grundschulen in Südhessen konnte die Teilnahmerate an der HPV-Impfung auf mehr als 75 Prozent erhöhen", berichtet Mit-Initiatorin Catharina Maulbecker-Armstrong von der TU Mittelhessen.

Auch der Gynäkologe Karl Ulrich Petry (Klinikum Wolfsburg) betont: "Das Allervernünftigste ist, früh zu impfen. Wer mit neun Jahren zweimal gegen HPV geimpft wurde, hat mit 15 Jahren einen Antikörper-Titer wie jemand, die oder der mit 15 Jahren dreimal geimpft wurde."

Die Metaanalyse habe die Sicherheit bestätigt. "Wer Vorbehalte hatte gegenüber der HPV-Impfung, sollte diese nun über Bord werfen."

Daten aus dem finnischen Krebsregister

In einer finnischen Studie konnte inzwischen nachgewiesen werden, dass die HPV-Impfung nicht nur vor Zervixkrebsvorstufen, sondern auch vor invasiven Tumoren schützt. Es handelt sich um eine aktuelle Analyse von Daten des finnischen Krebsregisters (Int. J. Cancer 2018; online 4. Januar).

Tapio Luostarinen vom Finnish Cancer Registry in Helsinki und sein Team stützen sich dabei auf die Follow-up-Daten von Teilnehmerinnen zweier Phase-III-Studien (866 und 2465 im Alter von 16 bis 17 Jahren gegen HPV6/11/16/18 und HPV16/18 geimpfte Mädchen) aus den Jahren 2002 bis 2005 und einer Vergleichskohorte von 15 665 nicht geimpften jungen Frauen.

Einbezogen wurden zudem Ergebnisse einer Phase-IV-Studie von 2007 bis 2008, an der 6198 gegen HPV16/18 geimpfte und 2173 gegen HBV geimpfte Mädchen im Alter von 14 bis 15 Jahren teilgenommen hatten. (dpa/ikr)

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