Ärzte Zeitung online, 08.02.2010

Strahlentherapie verhindert neue Metastasen bei Melanom

BERLIN (eb). Haben sich bei einem Melanom schon Metastasen in den Lymphknoten gebildet, sollte nach einer Operation eine Strahlentherapie erfolgen. Denn diese reduziert das Risiko, dass erneut Lymphknoten vom Tumor befallen werden, wie eine neue Studie ergeben hat.

Die Strahlentherapie bei fortgeschrittenem Melanom wird an verschiedenen Zentren bereits angeboten. Sie gehört aber nicht zum Therapiestandard. Darauf wies Professor Rita Engenhart-Cabillic vom Universitätsklinikum Gießen-Marburg hin. Engenhart-Cabillic ist Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO).

Untersuchungen von Ärzte aus Australien und den Niederlanden hatten jetzt erstmals gezeigt, dass eine postoperative Strahlentherapie erneute Lymphknotenmetastasen verhindern kann. Die Ergebnisse wurden kürzlich bei einem US-amerikanischem Kongress vorgestellt.

In der Studie mit 217 Patienten hatte bei allen Teilnehmern der Tumor einen oder mehrere Lymphknoten befallen. Ärzte entfernten diese - ebenso wie den Primärtumor - zunächst operativ. Die Hälfte der Betroffenen erhielt in den Wochen nach der Operation eine Strahlentherapie.

Der Anteil jener, bei denen der Krebs innerhalb der folgenden drei Jahre wieder Lymphknoten befiel lag in der Gruppe ohne Strahlentherapie bei 31 Prozent. In der Gruppe mit Radiotherapie lag er bei 19 Prozent. Das Überleben der Patienten wurde jedoch statistisch nicht signifikant verlängert.

Dennoch sieht Engenhart-Cabillic einen wichtigen Fortschritt bei der Behandlung des Melanoms. Sie betont, dass die Strahlentherapie ambulant durchgeführt werden kann und keine Schmerzen verursache. Dies erkläre nach Engenhart-Cabilli auch die hohe Motivation der Studienteilnehmer: 79 Prozent hielten alle 20 Behandlungstermine ein. Die Wiederkehr oft schmerzhafter Lymphknotenmetastasen zu verhindern, gibt den Betroffenen ein großes Stück Lebensqualität zurück. Auch wenn die Strahlentherapie das Leben der Patienten nicht verlängern kann, ist sie doch ein wichtiger Baustein der palliativen Therapie, so Engenhart-Cabillic.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 14 000 Menschen am Melanom.

Abstract der Studie: "Adjuvant Radiotherapy Improves Regional (lymph Node Field) Control In Melanoma Patients After Lymphadenectomy: Results Of An Intergroup Randomised Trial."

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Zehn Regeln für die Rheuma-Therapie

In der medikamentösen Behandlung von älteren Rheuma-Patienten gilt es für Ärzte, einiges zu beachten. Rheumatologen haben zehn Empfehlungen verfasst. mehr »

Dicke Luft um Diesel-Fahrverbote

Erneut hat ein Gericht ein Diesel-Fahrverbot verhängt, erstmals ist ein Teil einer Autobahn davon betroffen. Die Kläger sehen sich im Kampf für eine saubere Luft bestätigt. Unterdessen beschloss das Kabinett neue Regeln beim Stickstoffdioxid-Grenzwert. Pneumologen sehen das kritisch. mehr »

Neun Millionen Klinik-Infektionen jährlich

Infektionen in Kliniken und Pflegeheimen sind in Europa ein großes Problem. Jährlich infizieren sich dort rund neun Millionen Bürger, berichtet die EU-Seuchenbehörde. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend. mehr »