Ärzte Zeitung online, 07.06.2017
 

BRAF-MEK-Inhibition

Melanom: Erfolg mit Zweierkombi

Inoperables malignes Melanom: Bei kombinierter BRAF-MEK-Inhibition überlebt circa jeder dritte Patient fünf Jahre.

CHICAGO.Patienten mit metastasiertem malignen Melanom hatten in der Dacarbazin-Ära eine durchschnittliche Lebenserwartung von einem halben Jahr. Immuntherapien und zielgerichtete Substanzen haben das klinische Ergebnis bei metastasiertem malignen Melanom deutlich verbessern können. Zur Behandlung bei metastasiertem BRAF-mutiertem Tumor sind BRAF- oder kombinierte BRAF-MEK-Inhibitoren eine Option, aber auch Checkpointinhibitoren, die tumorinduzierte Bremsen des Immunsystems lösen. Ein Vorteil der kombinierten BRAF-MEK-Inhibition ist das rasche Ansprechen der Patienten. Bislang aber gab es kaum Daten zur Effektivität über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren.

Bei der ASCO-Tagung in Chicago wurden Ergebnisse zum Langzeitüberleben von Patienten mit unresezierbarem, malignem Melanom (BRAFV600-Mutation) unter Monotherapie mit dem BRAF-Inhibitor Dabrafenib (150 mg 2 mal täglich) verglichen mit der Kombi Dabrafenib in derselben Dosierung plus Trametinib, einem MEK-Inhibitor, in der Dosierung 1 oder 2 mg täglich. Patienten mit Progress unter Monotherapie konnten zur Kombination wechseln.

162 Patienten wurden in einen der drei Arme der Phase-II-Studie randomisiert. Das mediane Follow-up betrug 66,5 Monate: die längste Beobachtungszeit für die Behandlung von Melanompatienten mit einer kombinierten BRAF-MEK-Inhibition, so Professor Jeffrey S. Weber vom Laura and Isaac Perlmutter Cancer Center in New York. Nach vier Jahren lebten 23 Prozent der Patienten im Monotherapiearm und jeweils 30 und 33 Prozent in den Kombinationsarmen. Nach fünf Jahren waren die Werte des Gesamtüberlebens 21 Prozent für Dabrafenib alleine und 33 und 28 Prozent für die Kombination (Trametinib 1 mg und 2 mg). Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 5,8 Monate unter Monotherapie und 9,2 und 9,4 Monate bei Kombination. "Die Kombination erzielte deutlich bessere Ergebnisse als der Monotherapiearm", sagte Weber. Die Ansprechraten inklusive kompletten Remissionen seien vor allem in der höheren Dosierung des MEK-Inhibitors (2 mg) überlegen gewesen. "Die Kombination BRAF/MEK-Inhibition ist eine Option für diese Gruppe von Patienten", resümierte der Experte. Weber würde sie vor allem bei hoher Tumorlast (hohem LDH) wegen des raschen Ansprechens anwenden und dann auch einer Behandlung mit Checkpointinhibitoren voranstellen. "Ist die Tumorlast niedriger, könnte zunächst eine Therapie mit Checkpointinhibitoren erwogen werden", so Weber in der Diskussion. Es sei unklar, ob Patienten, die fünf Jahre überleben, geheilt sind. "Ich würde den Patienten mit kombinierter BRAF/MEK-Inhibition immer empfehlen, die Therapie nicht zu unterbrechen, und generell die höhere Dosierung von Trametinib anwenden", sagte Weber zur "Ärzte Zeitung".

Auch Hirnmetastasen bilden sich bei Patienten mit malignem Melanom (BRAF-mutiert) unter kombinierter BRAF/MEK-Inhibition zurück. Dies belegen Daten der COMBI-MB-Studie, die parallel zur Präsentation beim ASCO in Lancet Oncology publiziert wurde (Abstract 9506; Lancet Oncol 2017; online am 4. Juni). 125 Patienten mit symptomatischen oder asymptomatischen Hirnmetastasen wurden eingeschlossen. Auf die Kombination Dabrafenib (150 mg 2 mal täglich) plus Trametinib (2 mg/Tag) sprachen 58 Prozent im medianen Beobachtungszeitraum von 8,5 Monaten intrakraniell an und 55 Prozent extrakraniell. Das präliminäre mediane Gesamtüberleben betrug 10,8 Monate. Die mediane Zeit ohne Progress war mit 5,6 Monaten allerdings vergleichsweise kurz. (nsi)

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