Ärzte Zeitung online, 12.09.2017

Statt Interferon

Adjuvante Kombitherapie bei schwarzem Hautkrebs überlegen

Bisher ist die Behandlung mit Interferon die adjuvante Standardtherapie bei Melanomen mit erhöhtem Metastasierungsrisko. Eine Kombitherapie ist dieser jedoch überlegen, so eine Studie vom ESMO-Kongress.

Adjuvante Kombitherapie bei schwarzem Hautkrebs überlegen

Die chemische Struktur von Trametinib.

© ibreakstock / stock.adobe.com

MADRID. Einer Zulassungsstudie zufolge ist eine neue Kombinationstherapie bei Melanomen mit BRAF-Mutationen der adjuvanten Standardtherapie mit Interferon überlegen. Die Studie "COMBI-AD" wurde laut Uniklinikum Schleswig-Holstein gestern auf dem Jahreskongress der European Society of Medical Oncology (ESMO) vorgestellt. Sie wurde auch im New England Journal of Medicine publiziert (doi: 10.1056/NEJMoa1708539). .

Analyse von 870 Teilnehmern

Ein Forscherteam um Studienleiter Prof. Axel Hauschild (Universitätsklinik Schleswig-Holstein) verglich die adjuvante Interferon-Behandlung nach der operativen Entfernung von Melanomen (Stadium 3) mit BRAF-Mutation mit einer Kombitherapie. Diese bestand aus dem BRAF-Inhibitor Dabrafenib (orale Gabe von 150 mg zweimal täglich) und dem MEK-Hemmer Trametinib (2 mg einmal am Tag).

An der doppel-verblindeten, Placebo-kontrollierten Phase-III-Studie nahmen 870 Patienten teil. Die Medikamentengabe erfolgte über einen Zeitraum von 12 Monaten, der Nachbeobachtungszeitraum betrug im Mittel 2,8 Jahre. Primärer Endpunkt war das rezedivfreie Überleben. Die Studie wurde von den Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline und Novartis finanziert.

Überlegenheit der Zweifach-Kombination

Die Forscher stellten fest, dass das rezedivfreie Überleben nach drei Jahren in der Studiengruppe 58 Prozent betrug, in der Kontrollgruppe nur 39 Prozent. Auch beim sekundären Endpunkt "Gesamtüberleben nach drei Jahren" war die Kombination aus Dabrafenib und Trametinib um 9 Prozentpunkte überlegen: 86 Prozent Gesamtüberlebende im Vergleich zur Placebogruppe mit 77 Prozent.

Da durch eine Interferon-Therapie das rezedivfreie Überleben  nur um zehn bis 20 Prozent verbessert und auch das Gesamtüberleben lediglich marginal beeinflusst werde, gehen die Wissenschaftler nun davon aus, dass die Inhibitor-Kombination die etablierte Interferon-Therapie ablösen könnte. "Dies sind die besten Resultate, die wir jemals in der adjuvanten Therapie des fortgeschrittenen Melanoms in den vergangenen 40 Jahren gesehen haben", so Hauschild in der ESMO-Pressekonferenz. (ajo)

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