Ärzte Zeitung, 24.01.2014

Seminom

Surveillance senkt die Therapielast

TORONTO. Bei Männern mit einem Seminom ist die Therapiebelastung deutlich niedriger, wenn nach der Op. anstelle von adjuvanter Bestrahlung eine Surveillance-Strategie verfolgt wird.Beim Seminom im Stadium 1 ist die Therapielast deutlich niedriger, wenn nach Orchiektomie statt adjuvanter Bestrahlung eine Surveillance erfolgt - und das bei ähnlicher Gesamtüberlebensrate nach fünf und zehn Jahren.

Bei etwa 80 Prozent der Männer mit einem Seminom, an dem jeder Zweite mit einem Keimzelltumor erkrankt, befindet sich der Tumor im Stadium 1. In den vergangenen Jahren hat sich die Surveillance-Strategie in den USA zum Standardvorgehen entwickelt.

Früher war das nicht so, da wurde die Bestrahlung routinemäßig adjuvant nach der Orchiektomie angewandt, mit einer Rezidivrate von etwa 5 Prozent, wie Dr. Eric Leung und seine Kollegen von der Universität von Toronto berichten (BJU Int 2013, online 13. August).

Die Urologen hatten bereits 1995 die Langzeitergebnisse einer Studie publiziert, in der 194 Männer zwischen 1981 und 1991 an einer einzigen Klinik adjuvant bestrahlt worden waren und bei 172 Männern die Surveillance-Strategie verfolgt worden war. In der aktuellen Studie wurden die Ergebnisse durch weitere 13 Jahre Therapieerfahrung aktualisiert.

Inzwischen beträgt die Zahl der Männer mit aktiver Surveillance 484 und die mit adjuvanter Radiatio 280. Mit Surveillance entwickelten 72 Patienten (15 Prozent)ein Rezidiv, 56 Patienten erhielten daraufhin eine Bestrahlung, 15 Patienteneine Chemotherapie, ein Patient wurde operiert. Nach adjuvanter Radiatio entwickelten 14 Patienten (5 Prozent) ein Rezidiv, drei von ihnen wurden bestrahlt, zehn chemotherapiert, einer operiert.

Nach fünf Jahren lebten mit Surveillance noch 98,6 Prozent, 97,4 Prozent mit Bestrahlung. Nach zehn Jahren lag der Anteil bei 97,7 Prozent (Surveillance) und 91,4 Prozent (Radiatio) - in beiden Gruppen überlebten also ähnlich viele Patienten.

Einen Unterschied gab es jedoch, wenn die Ärzte untersuchten, wie stark die Männer in den beiden Gruppen durch Therapien insgesamt belastet wurden - ausgedrückt als Therapieepisode pro Patient. Die engmaschige Nachuntersuchung erhielt dabei den Wert 0.

Die Männer mit adjuvanter Bestrahlung schnitten deutlich schlechter ab. Bei ihnen lag der Wert bei 1,05, das entspricht insgesamt 294 Therapieepisoden. Bei den Männern in der Gruppe mit abwartendem Verhalten lag der Wert dagegen nur bei 0,16 (78 Therapieepisoden).

Wurde eine Therapieepisode einem Chemotherapiezyklus gleichgesetzt, zum Beispiel dreimal die Behandlung mit Bleomycin, Etoposid plus Cisplatin, dann lagen die Werte pro Patient bei 1,14 in der Adjuvanzgruppe und bei 0,31 in der Gruppe der Patienten mit der Surveillance-Strategie. (ple)

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