Forschung und Praxis, 30.07.2004

Bevacizumab-haltige Therapie verdoppelt Überlebenszeit

Deutliche Veränderungen zeichnen sich in der Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Darmkrebs ab. Die seit Jahren übliche Standard-Chemotherapie wird durch lebensverlängernde neue Strategien ergänzt. Eine dieser Strategien ist die Anwendung des Angiogenese-Hemmers Bevacizumab, der in den USA bereits zugelassen ist.

Der monoklonale Antikörper hemmt den Wachstumsfaktor VEGF, mit dem sich die Tumorzellen eine ausreichende Blutgefäßversorgung sichern. In Kombination mit dem Standardschema 5-Fluorouracil / Folinsäure (5-FU / FA) verlängert Bevacizumab die mediane Überlebenszeit von einem Jahr auf fast 17 Monate, berichtete Privatdozent Dr. Volker Heinemann aus München bei einer Veranstaltung von Hoffmann-La Roche in Frankfurt am Main.

Weitere signifikante Verbesserungen mit durchschnittlichen Überlebenszeiten von insgesamt bis zu zwei Jahren sind zudem in Kombination mit Oxaliplatin oder Irinotecan zu erwarten. Heinemann zitierte eine doppelblinde Studie mit mehr als 800 Patienten mit metastasiertem kolorektalen Karzinom, die entweder 5-FU / FA plus Irinotecan (IFL), IFL plus Bevacizumab oder 5-FU / FA plus Bevacizumab erhalten hatten. Die medianen Überlebenszeiten betrugen: 16 Monate mit IFL, 18 Monate mit 5-FU / FA plus Bevacizumab und 20 Monate mit IFL plus Bevacizumab (NEJM 350, 2004, 2335).

Vorteil von früher Kombitherapie mit Bevacizumab

Da sich derzeit 5-FU plus Oxaliplatin als Standard bei metastasiertem Darmkrebs etabliert, dürfte sich die durchschnittliche Überlebenszeit auf deutlich über 20 Monate erhöhen, so Heinemann. Dies ergebe sich aus Daten, nach denen Patienten, die in der Erstlinientherapie IFL plus dem Antikörper und in der Zweitlinientherapie Oxaliplatin erhalten hatten, durchschnittlich 25 Monate überlebt haben.

Die frühe Kombination 5-FU / Oxaliplatin / Bevacizumab habe daher die größten Chancen, sich künftig als Therapie in Europa durchzusetzen, sagte Heinemann. Die Infusion von 5-FU / FA könnte bei entsprechender Zulassung durch das orale Prodrug Capecitabin (Xeloda®) ersetzt werden, hieß es. Eine entsprechende Studie läuft bereits. (ner)

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