Ärzte Zeitung, 01.03.2007

THERAPIE-STANDARD

Therapie-Fortschritte bei metastasiertem Krebs

Infusion statt Bolus, oral statt intravenös, innovative Substanzen - das sind die Schlagworte in der Behandlung

In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Therapie des kolorektalen Karzinoms (KRK) stark verbessert: Inzwischen lebt nach fünf Jahren noch die Hälfte der Patienten.

Darmkrebszelle im Rasterelektronenmikroskop. Foto: A. Jordan

Immer noch wird das KRK bei fast 50 Prozent der Patienten erst diagnostiziert, wenn bereits Lymphknoten befallen sind oder Fernmetastasen vorliegen. Bei ihnen ist eine adjuvante Chemotherapie indiziert. Standard war bisher 5-Fluorouracil (5-FU) plus Folinsäure als Bolus. Mittlerweile haben sich andere Optionen als überlegen erwiesen: 5-FU-Infusionen sind gleich wirksam, aber besser verträglich. Und für die Therapie mit dem oralen 5-FU-Prodrug Capecitabin (Xeloda®) ergab sich ein günstigeres Toxizitätsprofil sowie ein Trend zum verlängerten krankheitsfreien Überleben. Auch mit der Kombi 5-FU/FS plus Oxaliplatin (Eloxatin®) waren nach drei Jahren noch 78 Prozent der Patienten frei von Rezidiven, mit 5-FU/FS-Bolus allein 73 Prozent.

Zur Erstbehandlung bei Patienten mit Metastasen eignen sich ebenfalls 5-FU-Infusionen: Damit war im Vergleich zum Bolus die Ansprechrate höher, das mediane Überleben etwas besser und das Toxizitätsprofil günstiger. Capecitabin ist bei dieser Indikation ähnlich wirksam wie der 5-FU/FS-Bolus. Capecitabin plus Oxaliplatin bringt Phase-III-Studien zufolge Remissionsraten von 50 Prozent, erleichtert die Therapie und erhöht die Lebensqualität.

Irinotecan (Campto®) ist ebenfalls ein geeigneter Kombinationspartner: Mit 5-FU/FS plus Irinotecan waren die Remissionsrate, das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben ähnlich gut wie 5-FU/FS plus Oxaliplatin.

Eine Novität bei metastasierten Tumoren sind Biologicals, die für Erst- und Zweittherapie infrage kommen. Ein Beispiel ist Cetuximab (Erbitux®), das gegen den Rezeptor des Wachstumsfaktors EGF (Epidermal Growth Factor) gerichtet ist. Kürzlich hat es sich in der Ersttherapie bewährt: Nach einer Phase-III-Studie verlängert es in Kombination mit Irinotecan das progressionsfreie Überleben. Zugelassen ist es bisher zur Zweittherapie bei Patienten mit EGF-Rezeptor-positivem KRK, bei denen eine Irinotecan-basierte Therapie versagt hat: Bei 23 Prozent kommt es durch den Zusatz von Cetuximab doch noch zur Remission.

Bevacizumab (Avastin®) hemmt die Gefäßbildung im Tumor. Patienten, die First-Line Irinotecan/5-FU/FS plus den Antikörper erhielten, hatten höhere Ansprechraten und längeres Gesamtüberleben als Patienten ohne Antikörper. In der Zweittherapie wirkten 5-FU/FS/Oxaliplatin plus Bevacizumab synergistisch. Das mediane Überleben mit Antikörper betrug 12,5 Monate, ohne 10,7.

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