Ärzte Zeitung, 21.09.2007

Nach Aufklärung steigt Koloskopie-Rate

Verwandte von Darmkrebs-Patienten lassen sich häufiger koloskopieren, wenn sie ihr erhöhtes Risiko kennen

HANNOVER (eb). Ein besonders großes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, haben Menschen, wenn die Erkrankung bei einem Verwandten ersten Grades vor dem 60. Lebensjahr diagnostiziert wurde. Verwandte, die über das Risiko der familiären Disposition aufgeklärt werden, lassen signifikant häufiger eine Koloskopie machen als die nicht Aufgeklärten, hat eine Studie ergeben. Allerdings ließen sich auch von diesen Personen insgesamt nur 27 Prozent untersuchen.

Koloskopie in der Praxis - durch kurzfristige Anästhesie hat die Untersuchung für Patienten ihren Schrecken verloren. Foto: Klaro

In der Studie wurde die Teilnahme an der Darmkrebsvorsorge bei Verwandten ersten Grades von Darmkrebspatienten untersucht, die zum Zeitpunkt der Diagnose das 60. Lebensjahr noch nicht erreicht hatten. Die Ergebnisse hat vor kurzem Professor Tim Greten von der Medizinischen Hochschule Hannover vorgestellt.

Wegen der Ergebnisse versteht sich die Studie auch als Aufklärungskampagne, um möglichst viele Patienten und Angehörige zu erreichen und für eine Vorsorgeuntersuchung zu sensibilisieren. "Das ist uns gelungen, wir haben mit diesem einfachen Weg sehr viele Risikopersonen erreichen können", sagt Greten. "Und wir konnten auch darüber aufklären, dass das Risiko nicht nur die Kinder betrifft, die oft noch viel zu jung sind, sondern vor allem Eltern und Geschwister." Das sei vielen Patienten nicht klar gewesen.

Für die Untersuchung verschickten die Ärzte Fragebögen an 602 Patienten, die zwischen 2002 und 2005 an Darmkrebs erkrankt und jünger als 60 Jahre waren. 442 Patienten (73 Prozent) beantworteten den Fragebogen, sie waren im Durchschnitt 51 Jahre alt. Gefragt wurde nach dem Wissen der Patienten um das erbliche Risiko, die Häufigkeit von Darmkrebserkrankungen bei Verwandten ersten Grades und die Frage, wieviele Eltern und Geschwister eine Vorsorgeuntersuchung wahrgenommen hatten. Schließlich fragten die Mediziner nach, ob das Wissen um das erhöhte Risiko die Verwandten bewogen hatte, zur Vorsorge zu gehen.

44 Prozent der Patienten gaben an, dass sie über das erhöhte Darmkrebsrisiko für Verwandte ersten Grades Bescheid wussten. Jedoch war die Zahl der Koloskopien bei den Geschwistern der angeschriebenen Patienten niedrig.

Von den Geschwistern, die das Risiko kannten, nahmen 27 Prozent an der Vorsorgeuntersuchung teil, bei den nicht Aufgeklärten nur 20 Prozent. Bei Verwandten ersten Grades von Darmkrebspatienten, also Eltern, Geschwistern und Kindern, ist das Risiko einer Erkrankung um das Zwei- bis Dreifache erhöht. Eine weitere, drei- bis vierfache Risikosteigerung besteht, wenn die Erkrankung vor dem 60. Lebensjahr diagnostiziert wurde.

Derzeit wird Verwandten ersten Grades von Patienten mit kolorektalen Karzinomen eine Vorsorgeuntersuchung empfohlen, wenn sie ein Alter erreicht haben, das zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter des betroffenen Patienten liegt.

Die Untersuchung erfolgte 2005 in Zusammenarbeit mit dem Tumorzentrum der MHH und der Tumornachsorgestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Die Untersuchung wurde in der August Ausgabe der Fachzeitschrift "Annals of Oncology" veröffentlicht. Professor Greten wurde zudem für die Arbeit mit dem Felix Burda Award 2007 und dem Präventionspreis Innere Medizin der Deutschen Stiftung für Innere Medizin ausgezeichnet.

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