Ärzte Zeitung, 13.03.2008

Vorsorge-Koloskopie nützt vor allem bei Männern

Studie mit 5000 Darmkrebs-Patienten: Bessere Prognose durch Präventiv-Koloskopie

HERNE (ars). Eine Praxisstudie belegt erneut den Nutzen der Vorsorge-Koloskopie. Patienten, bei denen dabei ein Tumor gefunden wird, haben eine wesentlich bessere Prognose, als Patienten, die erst bei begründetem Verdacht zur Darmspiegelung kommen. Als besonders wichtig erwies sich die Untersuchung für Männer, denn sie hatten ein fast doppelt so hohes Karzinomrisiko wie Frauen.

 Vorsorge-Koloskopie nützt vor allem bei Männern

Für die Untersuchung wurden die Patienten einer gastroenterologischen Schwerpunktpraxis vorsorglich per Koloskopie untersucht.

Foto: Klaro

5066 Patienten im Durchschnittsalter von 64,5 Jahren wurden in einer gastroenterologischen Schwerpunktpraxis rein präventiv untersucht, also, ohne dass Hinweise auf Darmkrebs vorlagen. Bei zehn Prozent dieser Vorsorge-Patienten fanden die Kollegen um Dr. Dietrich Hüppe aus Herne ein oder mehrere Polypen und entfernten sie ambulant. Bei einem Drittel entdeckten sie Polypensprossen mit einem Durchmesser unter 0,5 mm.

Bei 46 Patienten - 27 Männern und 19 Frauen - lagen bereits Karzinome vor, die meisten davon (80 Prozent) im Frühstadium. Bei 16 der Karzinompatienten erfolgte eine Polypektomie oder Mukosektomie, bei 30 eine Operation. Im Verlauf der vier Jahre starben zwei Patienten, allerdings nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit Darmkrebs, sondern an Herzversagen und T-Zell-Lymphom.

Als Vergleich diente eine Gruppe von 4099 Patienten mit Beschwerden, die eine Indikations-Koloskopie ratsam erscheinen ließen: Blut im Stuhl, Gewichtsverlust oder Anämie. Ihr Durchschnittsalter betrug 67 Jahre. In dieser Kohorte entdeckten die Gastroenterologen bei knapp 2000 Patienten Polypen oder Polypensprossen sowie bei 100 Patienten - 56 Männern und 44 Frauen - manifeste Karzinome, davon nur 40 Prozent im Frühstadium.

Als Therapie war nur bei 12 Patienten eine Polypektomie oder Mukosektomie ausreichend. Bei den übrigen waren Operation sowie Bestrahlung oder Chemotherapie erforderlich. Die Patienten wurden nach den Vorsorge- und Indikationskoloskopien vier Jahre lang nachuntersucht (Z Gastroenterol 45, 2008, 1).

Von den 100 Karzinompatienten starben im Verlauf von vier Jahren 20, davon zwei bei oder nach einer Tumoroperation, die übrigen an sonstigen Folgen der Darmkrebserkrankung.

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