Ärzte Zeitung, 04.03.2008

High-Tech vereinfacht Abschätzung der Prognose bei Kolonkarzinom

Genetischer Tumorabdruck entwickelt / Ergänzung zu pathologischen Markern

BERLIN (gvg). Nach dem bereits von der US-Behörde FDA zugelassenen Test MammaPrint® zur Bestimmung der Genaktivität bei Brustkrebs gibt es bald einen ähnlichen Test für Patienten mit Kolonkarzinom. Derzeit wird ein solcher Gentest zur Prognoseabschätzung bei Patienten mit Kolon-Ca entwickelt. Erste Studiendaten sind viel versprechend.

 High-Tech vereinfacht Abschätzung der Prognose bei Kolonkarzinom

In acht Testsystemen (rechts) sind jeweils 15 000 Gensegmente enthalten. Die Farbpunkte sind das Gentest-Ergebnis, das per Computer ausgewertet wird.

Foto: Agendia

Der neue Test trägt den Namen ColoPrint und soll Ärzten bei der Entscheidung für oder gegen eine adjuvante Therapie helfen. Eingesetzt werden soll der Test des Unternehmens Agendia in erster Linie bei Patienten mit kurativ operiertem Kolonkarzinom im Stadium II, wenn also noch keine Lymphknoten befallen sind.

Anders als im späten Stadium III, in dem Lymphknoten bereits befallen sein können und wo die adjuvante Therapie generell empfohlen wird, sind viele Onkologen im Stadium II zögerlich. Die Fünf-Jahres- Überlebensrate ist bei diesen Patienten mit über 80 Prozent relativ gut. Was fehlt sind verlässliche Risikomarker, um Patienten mit hohem Rezidivrisiko zu identifizieren.

Der neue Gentest soll diese Lücke schließen. Er basiert auf der Analyse der Genaktivität von 320 Genen, die direkt an einer Probe des Tumorgewebes vorgenommen wird. "In einer ersten retrospektiven Studie mit 135 Kolon-Ca-Patienten im Stadium II konnte der Test zwischen Patienten mit guter und schlechter Prognose gut differenzieren", sagte Dr. Iris Simon von dem Unternehmen beim Deutschen Krebskongress. In der Gruppe mit günstigem Genprofil blieben 95 Prozent der Patienten fünf Jahre lang ohne Metastasen, bei ungünstigem Genprofil nur 70 Prozent.

Besonders gut differenziert der Test offenbar in Verbindung mit klassischen pathologischen Risikomarkern wie einem großen oder undifferenzierten Primärtumor. Besteht sowohl pathologisch als auch genetisch ein hohes Risiko, dann liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate den bisherigen Daten zufolge bei 60 Prozent. Sind beide Risikoparameter günstig, dann liegt die Quote bei 90 Prozent.

Wegen der guten bisherigen Ergebnisse werde der neue Test jetzt in einer größeren retrospektiven Validierungsstudie mit 600 Patienten erneut untersucht, so Simon auf der von dem Unternehmen unterstützten Veranstaltung.

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