Ärzte Zeitung, 16.09.2008

Der Wirkstoff


Gewinner des Prix Galien Frankreich 2006, des Prix Galien Niederlande 2006 und des Prix Galien Deutschland 2007. Kandidat für den Prix Galien International 2008.
Hier stellt sich der Kandidat vor.

Der Angiogenese-Hemmer hungert die Tumore aus

Der rekombinante monoklonale Antikörper Bevacizumab (Avastin®) ist der erste Angiogenese-Hemmer für die Krebstherapie.

Bevacizumab ist ein Angiogenese-Hemmer, der den Wachstumsfaktor VEGF, ein Schlüsselfaktor der Tumorangiogenese regelrecht bindet. So hungert er Tumore aus. Inzwischen ist er für die Therapie von Patienten mit Darm-, Brust-, Lungen- und Nierenkrebs zugelassen.

Tumore sind schon sehr früh auf eine gute Blutversorgung angewiesen. Für die Gefäßneubildung hat sich der Wachstumsfaktor VEGF als wirksamster Stimulator erwiesen. Daher lag es nahe, Substanzen zu entwickeln, die VEGF gezielt blockieren. Beim Unternehmen Genentech wurde deshalb ein Antikörper entwickelt, um VEGF zu blockieren: Bevacizumab. Er hindert den Faktor, an seine Rezeptoren auf den Zellen zu binden.

Der therapeutische Nutzen von Bevacizumab bei Krebspatienten wurde erstmals in klinischen Studien beim metastasierten kolorektalen Karzinom (KRK) belegt. In der Phase-III-Studie AVF2107g etwa, an der mehr als 800 zuvor nicht behandelte Patienten mit metastasiertem KRK teilnahmen, gelang es durch zusätzliche Therapie mit dem Antikörper, das Gesamtüberleben um nahezu fünf Monate zu verlängern. In der Vergleichsgruppe der Studie wurde nur 5-Fluorouracil/Leucovorin plus Irinotecan verabreicht.

Zulassung bereits bei vier Indikationen.

Beim metastasierten Mamma-Ca verdoppelte die Substanz in der Zulassungsstudie progressionsfreies Überleben und Ansprechrate. In der randomisierten Phase-III-Studie erhielten 722 Patientinnen Paclitaxel oder zusätzlich Bevacizumab. Durch zusätzliche Bevacizumab-Applikation wurde das progressionsfreie Überleben median auf zwölf Monate verdoppelt. Die Ansprechrate lag bei 50 Prozent.

Auch Lungenkrebspatienten profitieren von Bevacizumab. Kombiniert mit einer Standardchemotherapie konnte in der Studie E4599 mit fast 900 Patienten mit nicht-kleinzelligem Bronchial-Karzinom (NSCLC) im Stadium IIIB/IV die mediane Überlebenszeit erstmals auf über ein Jahr verlängert werden. Durch die Therapie mit dem Antikörper in Kombination mit Paclitaxel/Carboplatin lebten die Patienten im Median noch 12,3 Monate. In der Vergleichsgruppe mit Placebo waren es 10,3 Monate (NEJM 355, 2006, 2542). Die Ergebnisse waren außer den Daten der AVAiL-Studie Basis der Zulassungserweiterung von Bevacizumab zur Erstlinien-Therapie beim NSCLC.

Schließlich kommt die Bevacizumab-Therapie auch Nierenkrebspatienten zugute. So sprachen in einer Studie mit fast 650 Patienten deutlich mehr Patienten auf die Kombination Bevacizumab plus Interferon-alfa (IFN) an als auf eine Therapie mit IFN plus Placebo: 31,4 vs.12,8 Prozent. Im Median schritt die Erkrankung in der Kombitherapie-Gruppe erst nach 10,2 Monaten fort, in der Interferon-Gruppe schon nach 5,4 Monaten.

Das Programm zur Entwicklung von Bevacizumab auch in weiteren Indikationen ist das größte in der Onkologie. Mehr als 40 000 Patienten weltweit sollen an den klinischen Studien teilnehmen.

Weitere Beiträge zur Serie:
"Innovationen - Forschung in Deutschland und international"

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