Ärzte Zeitung, 31.03.2009

Kommentar

Zeit sparen wollen würde Zeit kosten

Von Angela Speth

"Mehr Zeit!" Diesen lapidaren Wunsch notierten auffallend viele Kollegen auf jene Fragebögen, mit denen sich die "Ärzte Zeitung" Ende Februar erkundigt hatte, was ihnen die Darmkrebs-Vorsorge erleichtern würde. Unbestreitbar: Vorsorge ist zeitraubend. Denn einer Studie zufolge hat sich bei der Koloskopie eine Drittelgesellschaft etabliert: Ein Drittel geht hin, eines weigert sich kategorisch - dazwischen gibt's eine Grauzone von Unentschlossenen, die Argumenten zugänglich sind. Die Last dieser Überzeugungsarbeit drückt ausschließlich auf den Schultern der Hausärzte. "Bei skeptischen Patienten rede ich mir den Mund fusselig", vermerkte ein Kollege.

Eine US-Studie weist den Ausweg: Präventions-Teams beraten die Patienten und stoßen sie immer wieder an, sich am Screening zu beteiligen. "Schön und gut, aber wer soll das bezahlen?" hört man die Kritiker höhnen. Als wäre Nicht-Prävention nicht teuer! Die Therapie eines Patienten mit Kolonkarzinom kostet pro sechs Monate bis 50 000 Euro, bei Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren bis zu deren Tod summiert sich dieser Betrag auf das Vierfache. Da wäre intensive Vorsorge eventuell billiger. Und indem sie vielen Menschen diese Krankheit erspart, schenkt sie ihnen außerdem Zeit, Lebenszeit.

Lesen Sie dazu auch:
Gute Beratung erhöht Zuspruch zur Koloskopie

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Was schützt wirklich vor der prallen Sonne?

Auch beim Sonnenschutz setzen immer mehr Menschen auf Naturprodukte. Forscher haben die Schutzwirkung von Samen und Ölen untersucht - mit zwiegespaltenem Ergebnis. mehr »

"Abwarten und Teetrinken geht nicht mehr"

Unser London-Korrespondent Arndt Striegler beobachtet die Brexit-Verhandlungen hautnah - und ist verwundert über die May-Regierung, während die Ärzte immer mehr in Panik verfallen. mehr »

Pflege bleibt Problembereich

Der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen ist 2016 drastisch zurückgegangen. Die erweiterten Kontrolloptionen der Leistungsträger müssen aber erst noch Wirkung zeigen. mehr »