Ärzte Zeitung, 02.11.2010

Gastkommentar

Kein Zögern - gleich Koloskopie!

Von Jürgen Riemann

Kein Zögern - gleich Koloskopie!

Der Gastroenterologe Professor Jürgen F. Riemann ist Vorsitzender der Stiftung LebensBlicke.

© Stiftung LebensBlicke

Eine Mitteilung über die steigende Häufung von Rektumkarzinomen bei Menschen unter 40 Jahren in den USA, sehr hochrangig publiziert, überrascht und beunruhigt zugleich. Haben wir doch gerade erst hierzulande die gute Botschaft erfahren, dass etwa durch die 2002 in die GKV eingeführte Vorsorgekoloskopie die Inzidenz des Dickdarmkarzinoms trotz der demografischen Entwicklung nicht mehr dramatisch steigt und die Mortalität langsam sinkt.

Dank intensiver Öffentlichkeitsarbeit, etwa von der Felix Burda Stiftung und der Stiftung LebensBlicke (www.lebensblicke.de) ist das Bewusstsein für Vorsorge in der Bevölkerung sehr gewachsen, allen Unkenrufen so mancher Kritiker zum Trotz. Die Menschen wissen, dass es sehr erfolgreiche Maßnahmen zur Darmkrebsfrüherkennung gibt, nehmen sie aber noch nicht ausreichend in Anspruch. Eine Allensbach-Studie der Stiftung LebensBlicke 2008 belegt diese kognitive Dissonanz.

Und nun diese Studie, die aufhorchen lässt und die Frage aufwirft, ob bei uns eine ähnliche Tendenz besteht. Das Krebsregister Saarland gibt darauf zumindest partiell Auskunft. Dr. Lutz Altenhofen vom ZI hat eine Sonderauswertung von 1970 bis 2005 bei Personen bis 39 Jahren vorgenommen. Resultat: Es sind zwar immer wieder Peaks zu beobachten, ein genereller Anstieg aber nicht. Die Inzidenz erreicht in einzelnen Jahren bei Frauen maximal 2,3, bei Männern 2 pro 100 000, eine Häufung ist nicht erkennbar.

Was könnte als Ursache für die gegenteilige Beobachtung in den USA in Frage kommen? Den Autoren zufolge sind genetische, ethnische und demografische Faktoren ein Schlüssel zum Verständnis. Entscheidend aber dürfte sein, dass in dem SEER-Register nicht zu erkennen ist, ob diese Gruppe eine familiäre Dickdarmkrebsbelastung hatte und damit einer Risikogruppe zuzuordnen war.

Welche Konsequenzen sind aus diesen Daten zu ziehen? Erstens: Es wird höchste Zeit, bei uns Fragebogen in die GKV einzuführen, die das familiäre Risiko berücksichtigen und die Menschen informieren, ob sie bei einer Familienanamnese die Koloskopie nicht früher wahrnehmen wollen. Zweitens: Wenn junge Menschen sich mit klinischen Zeichen wie Blut im Stuhl, Verstopfung oder Durchfall (im Wechsel oder länger anhaltend) bei ihrem Arzt vorstellen, so sollte dieser nicht zögern, umgehend eine Koloskopie zu veranlassen, Hämorrhoiden hin oder her!

Lesen Sie dazu auch:
Enddarm-Krebs bei Jüngeren immer häufiger

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Zahl der Atemwegsinfekte bundesweit stark erhöht

In der 7. KW wurden 22.813 Influenza-Fälle an das Robert Koch-Institut (RKI) gemeldet, das sind rund 8000 mehr als in der Woche zuvor. mehr »

Welcher Sport tut den Gefäßen gut?

Sportliche Menschen scheinen anfälliger für atherosklerotische Koronarveränderungen zu sein als faulere. Neue Studiendaten legen nahe, dass dabei die Sportart von Bedeutung ist. mehr »

Bald Bluttest auf Brustkrebs?

18.30 hForscher an der Universität Heidelberg haben ein neues Verfahren entwickelt, mit dem sich über einen Bluttest Brustkrebs leichter erkennen lässt. Die Sensitivität wird mit 75 Prozent angegeben. Doch es gibt auch kritische Stimmen. mehr »