Ärzte Zeitung online, 30.12.2010

Strahlentherapie vor der Op verhindert Rückfälle bei Mastdarmkrebs

LEIDEN (eb). Erhalten Patienten mit Mastdarmkrebs vor der Operation eine Strahlentherapie, sinkt die Rückfallrate deutlich, wie eine niederländische Studie mit fast 2000 Patienten ergeben hat.

Strahlentherapie vor der Op verhindert Rückfälle bei Mastdarmkrebs

Polypöses Rektum-Karzinom.

© www.endoskopiebilder.de, Albertinen-Krankenhaus Hamburg

Durch eine präoperative Strahlentherapie verringerte sich in der Studie die Wahrscheinlichkeit, dass der Tumor wiederkehrt, um mehr als die Hälfte. Auf dieses Ergebnis der Studie über einen Zeitraum von elf Jahren, die vor kurzem veröffentlicht wurde, macht die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) aufmerksam (Int J Radiation Oncology - Biology - Physics 2010; 78 / 3: Supplement, S1).

Krebsoperationen im unteren Abschnitt des Darms, dem End- oder Mastdarm, sind technisch schwierig. Lange Zeit kam es bei fast jedem zweiten Patienten nach einiger Zeit zu einem Rückfall im Operationsgebiet, einem Lokalrezidiv. "Eine Strahlentherapie war deshalb fester Bestandteil der Behandlung”, berichtet DEGRO-Präsidentin Professor Rita Engenhart-Cabillic, Direktorin der Abteilung für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg.

In den vergangenen Jahren hat sich die Op-Technik deutlich verbessert. Bei der totalen mesorektalen Exzision (TME) entfernen Chirurgen mit dem Mastdarm auch das umgebende Gewebe, in das der Tumor als erstes eindringt. "Die TME hat die Gefahr von Lokalrezidiven deutlich gesenkt. Vor diesem Hintergrund war unklar, ob eine Strahlentherapie überhaupt noch notwendig ist", so Engenhart-Cabillic.

Nur jeder zweite Patient wurde vor der Op bestrahlt

Diese Frage war Gegenstand der niederländischen Studie, an der fast 1900 Patienten teilnahmen. Die neuesten Ergebnisse wurden kürzlich auf der Jahrestagung der American Society for Radiation Oncology (ASTRO) in San Diego vorgestellt. Nur jeder zweite Patient erhielt vor der Operation eine Strahlentherapie. Durchschnittlich elf Jahre nach der Operation war es ohne Bestrahlung bei 11,1 Prozent der Patienten zu einem Lokalrezidiv gekommen. Mit einer Strahlentherapie lag die Rate dagegen bei nur 5,1 Prozent.

Die Ergebnisse zeigten, dass eine Bestrahlung vor der Operation fester Bestandteil der Therapie von Mastdarmkrebs sein sollte, so Engenhart-Cabillic. Selbst wenn Pathologen im Randbereich des entfernten Mastdarms keine Tumorzellen mehr nachweisen konnten, wurde die Häufigkeit von Lokalrezidiven deutlich verringert. Bei diesen Patienten verbesserte die Strahlentherapie auch die Überlebenschancen.

In fortgeschrittenen Stadien des Mastdarmkrebses kann die Strahlentherapie nicht dazu beitrage, das behandelte Patienten länger leben als unbehandelte. Das Schicksal vieler Patienten werde von Fernmetastasen bestimmt, die sich bereits zum Operationszeitpunkt gebildet haben, erläutert die DEGRO-Präsidentin. Doch auch diesen Patienten nutze die Strahlentherapie, da jeder Rückfall im Beckenbereich die Behandlungsmöglichkeiten einschränke und starke Schmerzen verursache. Die Strahlentherapie leiste hier einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Lebensqualität.

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