Ärzte Zeitung, 27.01.2011

Kommentar

Entwarnung gleich im Doppelpack

Von Angela Speth

Wer eine neue Studie in drei müßigen Minuten querliest, dem verkündet sie eine Hiobsbotschaft: Männer mit Diabetes haben ein erhöhtes Darmkrebsrisiko! Tatsächlich aber bringt sie gleich zwei gute Nachrichten.

Erstens: Eine probate Diabetestherapie schaltet die Gefahr aus - das folgt aus der Tatsache, dass die Diabetikerinnen, deren Blutzucker im Schnitt auf dem erwünschten Niveau lag, nicht vermehrt Darmkrebs bekamen. Zweitens: Auch Insulin-Therapie begünstigt den Tumor nicht.

Selbstverständlich ist der Freibrief keineswegs, denn im Tierexperiment beschleunigte das Hormon das Wachstum von Kolonkarzinomen und die Proliferation des Epithels. Und eine große Studie etwa ergab, dass Typ-2-Diabetiker mit Insulintherapie mehr als doppelt so oft an Darmkrebs erkranken wie Diabetiker ohne Insulin.

Doch diese Daten wurden nur retrospektiv erhoben. Und außer der aktuellen prospektiven Studie untermauert bereits eine frühere die Entwarnung fürs Insulin in puncto Darmkrebs. Damit schlägt das Pendel deutlich in Gegenrichtung aus - was Gesundheitspolitikern und Präventivmedizinern ein Aufatmen bescheren dürfte angesichts der Häufigkeit von Diabetes einerseits und Darmkrebs andererseits.

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