Ärzte Zeitung online, 26.09.2011

Mit grünem Tee Darmkrebs vorbeugen?

HALLE/ULM (dpa). Kann grüner Tee Darmkrebs vorbeugen? Um diese Frage zu beantworten, startet am 26. September unter Federführung der Universitäten Halle und Ulm eine Langzeitstudie. 3000 Menschen nehmen über Jahre daran teil.

Dass grüner Tee gesund ist, wird allgemein anerkannt. Aber wissenschaftliche Untersuchungen dazu sind bislang rar. In einer neuen Studie soll jetzt geprüft, ob das Getränk Darmkrebs vorbeugen kann.

Es sei die bislang größte Untersuchung dazu weltweit, so Professor Thomas Seufferlein, Studienleiter und Direktor der Klinik für Innere Medizin des Universitätsklinikums Halle.

Geprüft wird die Wirkung von grünem Tee auf die Entstehung von Polypen im Darm, der möglichen Vorstufe von Darmkrebs.

30 medizinische Praxen und Kliniken nehmen teil

Die Deutsche Krebshilfe in Bonn finanziert das komplette Projekt mit 2,1 Millionen Euro aus Spendengeldern. "Im Interesse der Betroffenen müssen wir alle Möglichkeiten zur Krebsvorsorge ausschöpfen. Dazu gehören auch Naturheilverfahren", sagt Christiana Tschoepe, Pressereferentin der Deutschen Krebshilfe.

Die Aufnahme der Probanden in die Studien laufe über drei Jahre, da sie aber gestaffelt teilnähmen, seien die letzten erst sechs Jahre nach Studienstart fertig, so Seufferlein.

Die Teilnehmer kommen aus 30 großen medizinischen Praxen und Kliniken aus ganz Deutschland. Sie haben ein erhöhtes Darmkrebsrisiko.

Die Forscher wollen auch herausfinden, ob bei Patienten, denen Polypen entfernt wurden, mit Hilfe von grünem Tee eine Neubildung vermieden werden kann.

Pflanzenhormon hemmt Brust- und Prostatakrebs

Grüner Tee enthält außer Bitterstoffen und Koffein das Pflanzenhormon Epigallocatechin-3-gallat oder kurz EGCG. "Aus verschiedenen Forschungsarbeiten ist bekannt, dass EGCG die Entstehung von Tumoren der Prostata, Brust und Gebärmutter hemmt", sagt Seufferlein.

Weil es einfacher ist, werden bei der Studie Grüntee-Kapseln verwendet - zwei Stück täglich für jeden Teilnehmer.

"Das entspricht etwa 5 bis 10 Tassen Tee, je nach Zubereitungsweise", sagt Professor Julia Stingl, Studienleiterin und Ärztin für klinische Pharmakologie der Universität Ulm. Der Extrakt in den Kapseln enthält bis auf das entzogene Koffein alle wirksamen Bestandteile des grünen Tees.

Alle vier Monate erfolgt eine Blutuntersuchung

Eine Probanden-Gruppe erhält Grüntee-Kapseln, die andere Placebo-Kapseln. Weder Teilnehmer noch Wissenschaftler wissen, wer tatsächlich die "richtigen" Kapseln nimmt.

"Damit ist eine objektive Beurteilung möglich", so Stingl. Alle vier Monate werde den Probanden Blut abgenommen, um ihre Leber- und Blutwerte zu kontrollieren.

Zudem werden sie befragt, ob sie zusätzlich grünen Tee getrunken oder andere Medikamente bekommen haben. Mit einer Darmspiegelung wird nach drei Jahren bei jedem Teilnehmer geprüft, ob und wie viele neue Polypen sich gebildet haben.

Beide Studienleiter sind sich einig: Auch wenn grüner Tee die Entwicklung von Polypen hemmt, sei es eher unwahrscheinlich, dass Europäer davon bis zu zehn Tassen täglich trinken.

Schon heute sind Kapseln mit Grüntee-Extrakt im Handel erhältlich. "Im Falle eines wissenschaftlichen Wirknachweises wäre eine Ergänzung der Ernährung durch Einnahme von Extrakt in Kapselform durchaus möglich und auch erschwinglich", sagt Stingl.

[27.09.2011, 12:42:11]
Dr. Horst Grünwoldt 
Durstlöscher
Beim täglichen Trinken anregender Flüssigkeiten haben wir die Wahl zwischen Kaffee, Tee oder Cola. Die braune Limonade aus Amerika ist dazu sicher als zucker- und zusatzstoffehaltiges Getränk am wenigsten geeignet.
Gegen den morgendlichen Schwarzen mit einem Stück braune Schokolade genossen, gibt es gewiß keine medizinische Kontra-Indikation.
Im Laufe des Arbeitstages sollte aber der schwarze oder grüne Tee der bessere Durstlöscher sein. Schließlich enthalten beide den Muntermacher Koffein (=Teein); Tee ist aber ein Fermentations-Produkt, wohingegen Kaffee ein Röstprodukt ist!
Darüber hinaus sind es bei Darmreizungen und -entzündungen (resp. nach Polypenentfernungen) wohl vor allem die Gerbsäuren der o.g. Teesorten, die ihren positiven Schleimhaut-Effekt bewirken.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt aus Rostock zum Beitrag »

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