Ärzte Zeitung, 06.07.2012

15 Minuten Sport für ein längeres Leben

Schon täglich eine Viertelstunde Freizeitsport wie Radfahren verlängert das Leben signifikant. Besonders günstig scheint das für die Prävention von Darmkrebs.

Von Werner Stingl

Sportlich lebt sich's wesentlich länger

Regelmäßig Sport ist nicht nur gesund für Herz und Kreislauf, sondern senkt auch das Krebsrisiko.

© Bernd_Leitner / fotolia.com

MÜNCHEN. In der Primär- und Sekundärprävention leistet Sport allgemein und speziell auch aus onkologischer Sicht für die Prognose und die Lebensqualität mehr als viele Medikamente.

Das hat Professor Michael Schoenberg von der Allgemeinchirurgischen Abteilung des Rotkreuzkrankenhauses München auf einem Fachsymposium des Netzwerks gegen Darmkrebs in München betont.

Obwohl schon regelmäßig 15 bis 30 Minuten Bewegung am Tag ausreichen würden, um signifikante Ergebnisse zu erzielen, wird diese Chance noch viel zu wenig genützt, bedauerte Schoenberg.

Der Münchner Experte verwies auf die Ergebnisse einer aktuellen Kohortenstudie aus Taiwan mit mehr als 400.000 Teilnehmern, die bis zu zwölf Jahre lang nachbeobachtet worden waren (Lancet 2011; 378: 1244-1253).

Demnach waren schon täglich 15 Minuten Sport an sechs Tagen die Woche im Vergleich zu sportlicher Inaktivität mit einer um drei Jahre verlängerten Lebenserwartung assoziiert. Und: Die Gesamtmortalität war um 14 Prozent reduziert.

Die Verdoppelung des täglichen Sportpensums auf 30 Minuten verminderte die Gesamtmortalität um weitere vier Prozent. Immer mehr hilft immer mehr, galt aber zumindest in dieser Studie nicht.

Ab etwa 90 Minuten Sport am Tag schien ein Level erreicht, bei dem durch zusätzliche Aktivität keine weitere Reduktion der Gesamtmortalität mehr zu erkennen war.

Mehr Sport, weniger IGF-1

Besonders günstig scheint regelmäßige sportliche Aktivität speziell auch für die Prävention des Kolonkarzinoms zu sein, fuhr Schoenberg fort.

So kamen zwei Studien aus dem Jahre 2007 mit insgesamt über 180.000 Teilnehmern und eine aktuelle Metaanalyse aus dem Jahre 2011, in die 52 zwischen den Jahren 1985 und 2008 veröffentlichte Studien einbezogen worden waren, zu einem erstaunlich übereinstimmenden Ergebnis: Regelmäßiger Sport senkt das Risiko, an einem Kolonkarzinom zu erkranken, um durchschnittlich rund 25 Prozent.

Als potentieller Wirkmechanismus für diesen Benefit wird nach Angaben von Schoenberg unter anderem diskutiert, dass bei sportlicher Aktivität weniger IGF-1 (insulin-like growth factor 1) im Körper zirkuliert, das die Karzinogenese vorantreibt, und dass mehr apoptosefördernde Proteine exprimiert werden.

Zwei weitere günstige Einflussfaktoren könnten sein, dass bei regelmäßigem moderatem Sport das Immunsystem schärfer funktioniert und intrazelluläre Signaltransduktionswege positiv verändert sind.

Auch wer bereits an Krebs erkrankt ist, kann durch regelmäßige körperliche Aktivität offensichtlich seine Prognose verbessern.

Festgestellt wurde das zum Beispiel in einer bereits im Jahre 2006 veröffentlichten Studie mit insgesamt 832 Darmkrebspatienten im Verlauf von etwa acht Jahren.

Auch das Rezidivrisiko war bei den moderat Sport treibenden Patienten in dieser Studie im Vergleich zu dem der eher inaktiven signifikant reduziert.

Dabei praktizierten die sportlichen Studienteilnehmer ein durchschnittliches wöchentliches Aktivitätspensum, wie es beispielsweise mit drei Stunden Spazierengehen plus zwei Stunden Radfahren plus eine Stunde Tanzen für eigentlich jeden möglich sein sollte.

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