Ärzte Zeitung, 30.10.2012

Ungesunder Lebensstil

Armut zieht Darmkrebs an

Sozial benachteiligte Menschen erkranken häufiger an Darmkrebs, zeigt eine Studie mit 500.000 Amerikanern. Die erhöhte Rate liege mit dem Lebensstil der Personen mit niedriger Bildung zusammen, schlussfolgern die Forscher.

Von Beate Schumacher

Armut zieht Darmkrebs an

Rauchen, Bewegungsmangel, schlechte Ernährung - das erhöht bei Menschen mit niedrigem sozialem Status das Darmkrebsrisiko.

© Monkey Business/fotolia.com

PHILADELPHIA. In unterprivilegierten Gesellschaftsgruppen ist die Erkrankungsrate an kolorektalen Karzinomen besonders hoch.

Ein Großteil dieser sozioökonomischen Kluft lässt sich durch Unterschiede im Lebensstil erklären.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie mit mehr als 500.000 US-Amerikanern und -Amerikanerinnen.

Sie waren 1995 und 1996 im Alter von 50 bis 71 Jahren zu ihrem Schulabschluss und ihren Lebensgewohnheiten inklusive Ernährung, Sport und Rauchverhalten befragt worden (J Natl Canc Inst 2012; online 5. September).

Während der gut zehnjährigen Nachbeobachtungszeit wurde bei 7676 Personen ein primäres Adenokarzinom des Kolorektums diagnostiziert, darunter 3420 Karzinome im rechten und 2050 im linken Kolon, 1991 im Rektum und 215 ohne Angabe zur Lokalisation.

Ungesunder Lebensstil - ein wichtiger Risikofaktor

Im Vergleich zu Studienteilnehmern mit dem höchsten Bildungsniveau und dem größten Wohlstand hatten die am wenigsten gebildeten Teilnehmer eine um 42 Prozent und die sozial am schlechtesten gestellten eine um 31 Prozent höhere Darmkrebsrate.

Unabhängig von der sozialen Zugehörigkeit erwies sich ein ungesunder Lebensstil als wichtiger Risikofaktor: So hatten etwa Personen, die viel Fleisch und tierische Fette, aber wenig Obst, Gemüse und Ballaststoffe aßen, ein um 91Prozent höheres Erkrankungsrisiko als Personen, die sich mediterran ernährten, und ein BMI über 34 kg / m2 ging mit einem 55Prozent höheren Risiko einher als ein BMI von 20 kg / m2.

Ungesunde Ernährung, Rauchen, Bewegungsmangel und Übergewicht erklärten auch zu 44 Prozent die höhere Darmkrebsrate von Personen mit niedrigem Bildungsgrad.

Bei den sozial schlechter gestellten Personen waren diese Faktoren für 26 Prozent des erhöhten Krebsrisikos verantwortlich.

Am stärksten ausgeprägt war die Korrelation bei proximalen Kolonkarzinomen: Hier konnten 95 Prozent des bildungsabhängigen Risikoanstiegs auf Lebensstil plus BMI zurückgeführt werden. Bei distalen Kolonkarzinomen und Rektumkarzinomen waren es nur 38 und 24 Prozent.

Sozial Benachteiligte gehen seltener zur Koloskopie

Bei sozial depravierten Personen lag der Beitrag von Verhalten und BMI je nach Tumorlokalisation bei 75 Prozent, 36 und 18 Prozent.

Diese Unterschiede lassen sich wahrscheinlich darauf zurückführen, dass Angehörige sozial benachteiligter Gruppen seltener an Koloskopie-Screening-Untersuchungen teilnehmen.

 Da das Screening bei distalen kolorektalen Karzinomen effektiver ist, machen sich unterschiedliche Teilnahmequoten bei proximalen Kolonkarzinomen vermutlich weniger bemerkbar.

"Die Studie zeigt, dass über ein Drittel des zusätzlichen Risikos für invasive kolorektale Karzinome bei Personen mit niedrigem sozioökonomischem Status durch Unterschiede im Lebensstil, insbesondere durch eine ungesunde Ernährung erklärt werden kann", fassen die Studienautoren zusammen.

Durch gesündere Ernährung, regelmäßige Bewegung, Nichtrauchen und Normalgewicht ließe sich vor allem bei sozial unterprivilegierten Bevölkerungsschichten ein deutlicher Rückgang des Darmkrebsrisikos erzielen.

Insgesamt seien mit einem gesundheitsbewussten Lebensstil schätzungsweise 70 Prozent aller kolorektalen Karzinome vermeidbar.

Quelle: www.springermedizin.de

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