Ärzte Zeitung online, 19.03.2018

Kommentar zur Studie über Sekundärprävention von Darmpolypen

Prävention mit Nebeneffekt

Von Robert Bublak

Die sekundäre Chemoprävention von Dickdarmpolypen und damit möglicher Vorstufen von kolorektalen Karzinomen ist in einer Reihe von Studien untersucht worden. Im Fokus standen dabei nicht zuletzt Kalziumpräparate. Die Studien gingen mal so, mal so aus. Wo die Prävention mit Kalzium wirksam war, betrug die Reduktion etwa zwanzig Prozent.

Folgt man den Ergebnissen einer aktuellen Studie, hat die Kalziumgabe zur Adenomprävention nicht nur vorbeugende Effekte: Bei Patienten, die nach Entfernung eines Adenoms im Kolorektum ihre Ernährung prophylaktisch mit Kalzium ergänzt hatten, war sechs bis zehn Jahre nach Beginn der Supplementation das Risiko für sessile serratierte Polypen sogar erhöht.

Dabei handelt es sich um Vorläuferläsionen des sogenannten serratierten Karzinogenesewegs – womöglich ein Hauptpfad zu den berüchtigten Intervallkarzinomen.

Die deutsche Leitlinie zum kolorektalen Karzinom spricht Kalzium die präventive Wirkung in der Sekundärprophylaxe, Adenome betreffend, nicht rundweg ab. Sie hält aber die Reduktionsrate für zu gering, um eine längerfristige Einnahme zu rechtfertigen.

Die Befunde zum erhöhten Risiko für sessile serratierte Polypen nach Kalziumsupplementation geben keinen Anlass, an dieser Empfehlung zu rütteln.

Lesen Sie dazu auch:
Neuerliche Darmpolypen verhindern: Kalzium hat nicht nur vorbeugende Wirkung

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Zufallsbefunde – Wer sucht, der findet

Bei der bildgebenden Diagnostik kann es vorkommen, dass unerwartet ein Befund jenseits des eigentlichen Anlasses auftaucht. Das sollte man den Patienten klarmachen – vorher. mehr »

Alternativszenario voller Sprengkraft

Bei einem Modellprojekt in Baden-Württemberg ist die sektorenübergreifende Versorgung durchgespielt worden. Der Abschlussbericht enthält Empfehlungen, die es in sich haben - und das Konfliktpotenzial deutlich machen. mehr »

Streit um "Strafgebühr" im Krankenhaus

KBV-Chef Gassen fordert für Patienten, die mit Bagatellerkrankungen in die Notfallambulanz der Kliniken kommen, eine Gebühr. Das hält die DKG für "schlicht falsch". Die Linke mutmaßt: "Notaufnahmen nur für Reiche"? mehr »