Ärzte Zeitung online, 07.07.2018

Darmkrebsvorsorge

Die Stiftung LebensBlicke feiert Geburtstag

In der Prävention einer der häufigsten Krebsformen hat sich in den letzten Jahren die Stiftung LebensBlicke verdient gemacht. In diesem Jahr feiert sie ihr 20-jähriges Bestehen.

Von Marco Mrusek

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Professor Jürgen Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke.Sabine Kast

© Sabine Kast

LUDWIGSHAFEN. Die Stiftung LebensBlicke wird 20 Jahre alt. Anfänglich noch eine regionale Bürgerinitiative, hat sich die Stiftung zu einem wichtigen Akteur in der Darmkrebsprävention entwickelt.

Das wurde auch bei der festlichen Abendveranstaltung in Ludwigshafen deutlich, die Teil der 29. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Gastroenterologie in Mannheim war.

"180.000 verhinderte Erkrankungsfälle von Darmkrebs und 40.000 Heilungsfälle danken es Ihnen", betonte Professor Peter Frankenberg, langjähriger Wissenschaftsminister Baden-Württembergs, in seiner Festrede auch in Richtung des Vorstandsvorsitzenden Professor Jürgen Riemann. Frankenberg hob besonders das starke ehrenamtliche Engagement und die Nutzung der modernen Medien hervor, durch die die Stiftung ihren Anteil an einer deutlichen Verbesserung des Darmkrebspräventionsangebotes habe.

Viele Hürden für die Prävention

Frankenberg kam auch auf die Hürden zu sprechen, die der Darmkrebsprävention und der Arbeit der Stiftung immer wieder im Weg stünden. Er beklagte "forschungsfeindliche Tendenzen" in der Öffentlichkeit und dass der Schritt von der Forschung zum Klinikbett oft Schwierigkeiten unterläge.

Bezogen auf die Darmkrebs-Vorsorgemüdigkeit von Männern schlug Frankberg vor, dass Männer manchmal etwas mehr Zwang bräuchten, um sich einer Vorsorgeuntersuchung zu unterziehen.

Auch das eigentlich seit Jahren überfällige Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz (KFRG) wurde mehrfach erwähnt, die Verschleppung der Umsetzung durch die Politik sei "ein Skandal für sich", sagte Dr. Dietrich Hüppe, Vorstandsmitglied der Stiftung LebensBlicke, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Es würde an Visionen fehlen, wohin man überhaupt wolle, und am Willen, diese umzusetzen, kritisierte der Gastroenterologe im Ruhestand.

Kommt das Gesetz nun 2019?

Auch Riemann kam auf das KFRG zu sprechen. Anfang des Jahres war der Vorstandsvorsitzende noch optimistisch, das Gesetz würde noch 2018 umgesetzt werden.

Nun werde dies aber wohl doch erst 2019 gelingen: "Nach Auskunft des Gemeinsamen Bundesausschusses ist die Meinungsbildung abgeschlossen und es geht jetzt darum, die letzten Fragen der Umsetzung vorzunehmen."

Nachdem nun auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, ebenfalls Befürworter der Stiftung, Druck ausübe, müsse der Ausschuss die Freigabe bis Anfang 2019 ermöglichen, betonte Riemann im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Professor Matthias Ebert, Kongresspräsident der Südwestdeutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, eröffnete den Abend und ehrte Dr. Tianzuo Zhan von der Universität Mannheim für seine Arbeit zu Genscheren mit dem renommierten, mit 5000 Euro dotierten Adolf-Kußmaul-Preis.

Anton Gies vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg ehrte Ebert mit dem Stiftungspreis 2018 der Gesellschaft für seine Arbeit zum Vergleich verschiedener Immunologischer Stuhlteste beim kolorektalen Karzinom.

Nach einer Grußbotschaft per Video von Stiftungs-Befürworter Dr. Eckhard von Hirschhausen überreichte Ebert der Stiftung einen Scheck über 5000 Euro, gespendet von der Fachgesellschaft.

Durch den Abend führte anschließend SWR-Moderator Holger Wienpahl, der ein humorvolles und aufschlussreiches Gespräch mit Professor Peter Layer vom Israelitischen Krankenhaus in Hamburg und Giulia Enders, Assistenzärztin in der Abteilung, führte. Enders wurde mit dem Buch "Darm mit Charme" weltbekannt und arbeitet nun im Krankenhaus.

Dort schreibt sie im Moment ihre Doktorarbeit und wird nach eigenem Bekunden selbst von Patienten, die während der Behandlung gerade ihr Buch lesen, nicht als Autorin erkannt.

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