Ärzte Zeitung online, 02.08.2018

Darmpolypen

Künstliche Intelligenz für Endoskopiker

Auch in der Endoskopie gehört der künstlichen Intelligenz die Zukunft. Beispiel: Ein in Japan entwickeltes Computerprogramm erwies sich in der klinischen Praxis bei der Adenomdetektion als erstaunlich zuverlässig.

Von Peter Stiefelhagen

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Kann künstliche Intelligenz die Fertigkeiten der Endoskopiker unterstützen – oder ersetzen?

© sudok1 / Fotolia

YOKOHAMA. Nicht selten wird der Endoskopiker mit einem Befund konfrontiert, dessen richtige Interpretation auch für den Geübten schwierig sein kann.

So bereitet die genaue Differenzierung, ob es sich bei einer polypösen Schleimhautveränderung um ein echtes Adenom handelt, das abgetragen werden muss, oder nicht, im koloskopischen Alltag gelegentlich Kopfzerbrechen, und nicht wenige Polypen werden unnötig entfernt.

Ein von einer japanischen Forschergruppe um Professor Yuichi Mori, Showa University Northern Yokohama Hospital in Yokohama, entwickeltes lernendes Computersystem, das im vergangenen Jahr bei der United European Gastroenterology Week in Barcelona erstmalig vorgestellt wurde, soll den Endoskopiker jetzt bei der Entscheidungsfindung unterstützen.

 Dabei wertet das System ein 500-fach vergrößertes Bild des fraglichen Befundes aus. Die Analyse stützt sich auf circa 300 verschiedene Merkmale, wobei das Ergebnis innerhalb einer Sekunde vorliegt.

Diese Fähigkeit wurde dem System anhand von mehr als 30.000 endoskopischen Bildern zunächst antrainiert; denn das System muss wie jeder Endoskopiker zunächst lernen, was normal und was pathologisch ist.

Doch wenn es die entsprechenden Informationen einmal verarbeitet und gespeichert hat, funktioniert das künstliche Gehirn schneller und vielleicht sogar zuverlässiger als das menschliche.

Erstaunlich gute Übereinstimmung

Die Ergebnisse einer ersten prospektiven Studie sprechen für das neue System. Dabei wurde die künstliche Intelligenz bei 306 Polypen eingesetzt, von denen bereits ein histologischer Befund vorlag.

Es fand sich eine erstaunlich gute Übereinstimmung. Die Sensitivität lag bei 94 Prozent und die Spezifität bei 79 Prozent. Daraus ergibt sich eine Genauigkeit von 89 Prozent.

Der positive prädiktive Wert bei der Detektion einer Neoplasie lag bei 79 Prozent und der negative bei 93 Prozent.

Diese Ergebnisse zeigen, dass eine zuverlässige Diagnose bereits während der Untersuchung gestellt werden kann, und zwar unabhängig von der Erfahrung des Endoskopikers.

Mit einer solchen optischen Biopsie können zum einen unnötige Polypektomien vermieden werden, zum anderen wird die Trefferquote bezüglich der Adenome, die entfernt werden müssen, erhöht.

Die Autoren der Studie glauben, dass durch eine präzise Identifizierung und Entfernung von Adenomen mithilfe der künstlichen Intelligenz das Darmkrebsrisiko verringert und somit auch die Mortalität des Darmkrebses reduziert werden kann.

Sie sind überzeugt, dass die künstliche Intelligenz in absehbarer Zeit in die koloskopische Standarddiagnostik integriert wird.

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