Ärzte Zeitung online, 16.02.2010

Wissenschaftler wollen ersten Impfstoff gegen Leberkrebs entwickeln

TÜBINGEN (eb). Derzeit gibt es nach der chirurgischen Entfernung von primären Leberzelltumoren keine erfolgreiche begleitende Therapie, die ein Rezidiv verhindert. Chemotherapien erfüllen derzeit noch nicht die in sie gesetzten Hoffnungen. Tübinger Forscher entwickeln jetzt erste Impfstoffe für die Immuntherapie.

Wissenschaftler um Professor Hans-Georg Rammensee vom Interfakultären Institut für Zellbiologie (IFIZ), der Eberhard Karls Universität entwickeln den weltweit ersten therapeutischen Impfstoff zur Behandlung bei hepatozellulärem Karzinom (HCC).

Bei HCC zeigen sich Veränderungen in Peptiden, die die krebsspezifischen Abweichungen tragen. Dabei sind diese Mutationen bei jedem individuell verschieden.

Ziel der Tübinger Forscher ist nun, die Veränderungen jeweils individuell zu identifizieren und als Krebsantigene zu nutzen, um einen tumorspezifischen Impfstoff herzustellen. Für jeden Patienten wird dann eigens eine Zusammenstellung der in seinen Krebszellen veränderten Peptide hergestellt, mit denen er individuell immunisiert wird. Dadurch werden die Krebszellen für das Immunsystem sichtbar und können bekämpft werden, wie die Uni Tübingen mitteilte.

Neben der patientenindividuellen Immuntherapie soll auch nach mutierten oder anderweitig veränderten Peptiden gesucht werden, die in mehr als nur einem Krebspatienten relevant sind. Mithilfe eines Cocktails aus derartigen veränderten Proteinen ließe sich dann ein bei vielen Patienten anwendbarer Impfstoff gegen Leberkrebs herstellen.

Dass dieses Vorgehen im Prinzip bereits funktioniert, zeigt ein Impfstoff gegen das Nierenzellkarzinom, der bereits in einer klinischen Studie erprobt wird.

Die Entwicklung des HCC-Impfstoffs wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit mehr als einer Million Euro unterstützt. Die Impfung der ersten Patienten ist frühestens für die zweite Jahreshälfte 2012 vorgesehen.

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