Ärzte Zeitung, 12.07.2005

Primäre Radioimmuntherapie bei Lymphom wird geprüft

Phase-III-Studie mit Ibritumomab bei 360 Patienten

BASEL (grue). Patienten mit follikulärem B-Zell-Lymphom werden zunächst mit Rituximab behandelt und erhalten bei erneuter oder sich verschlechternder Erkrankung eine Radioimmuntherapie (RIT). Dieses Konzept wird jetzt überprüft.

Die RIT mit dem radioaktiv markierten Antikörper Ibritumomab (Zevalin®) ist zur Behandlung von Patienten mit CD20-positiven follikulären B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen zugelassen, bei denen der Antikörper Rituximab nicht oder nicht mehr wirkt.

Die Ansprechraten liegen bei bis zu 80 Prozent und sind um so höher, je früher mit der Zweitlinien-Therapie begonnen wird. Deshalb werde nun geprüft, ob der markierte Antikörper auch in der Primär-Therapie genutzt werden kann. Das berichtete Professor Werner Linkesch aus Graz bei einer Veranstaltung von Medac Schering Onkologie in Basel.

Zwei Strategien bieten sich an: Entweder erhalten neu diagnostizierte Patienten die RIT anstelle einer Chemoimmuntherapie oder sie erhalten sie erst im Anschluß daran. "Die primäre RIT ohne Chemo wurde bisher erst bei wenigen Patienten untersucht, scheint aber vielversprechend zu sein", so Linkesch.

Auch die im Sinne einer Konsolidierung nachgeschaltete RIT wird in einer Phase-III-Studie mit 360 Patienten geprüft. Außerdem werde nach neuen Indikationen für den markierten Antikörper gesucht, der wegen guter Langzeitwirkung und Verträglichkeit eine begehrte Therapie-Option ist. "Erfolge gibt es bereits bei Patienten mit Mantelzell-Lymphom oder diffus-großzelligem B-Zell-Lymphom", so Linkesch.

Für solche Patienten kommt die RIT besonders dann in Frage, wenn eine autologe Stammzelltransplantation nicht vorgenommen werden kann. Aber auch in Kombination mit myeloablativen Konzepten nehme die Bedeutung von markiertem Ibritumomab zu, sagte Privatdozent Dr. Johannes Meller von der Universität Göttingen. Hier wird vor allem die gezielte Strahlung genutzt, die der mit dem Beta-Strahler Yttrium-90 gekoppelte Antikörper direkt ins Tumorgewebe bringt.

Die komplizierten Therapiekonzepte beinhalten eine Kombination aus Strahlung, Immuntherapie und Hochdosis-Chemotherapie, alles vor der geplanten Stammzelltransplantation. So soll in Zukunft Patienten mit aggressiven Lymphomen besser geholfen werden. Die neue Strategie führe aber auch bei Patienten mit rezidivierenden Tumoren zu langanhaltenden Remissionen, sagte der Nuklearmediziner.

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