Ärzte Zeitung, 24.06.2005

"Bei Fortschritten in der Therapie der Lymphome ist Deutschland Weltspitze"

Handzeichen setzen: Kampagne soll Bürger über wenig bekannte Krebsart aufklären

Von Eva Richter

Die Aktion "Setzen Sie ein Handzeichen gegen Krebs!" soll die Bundesbürger über die wenig bekannte Krebsart Lymphom aufklären.
Foto: Hoffmann-La Roche

Immer häufiger erkranken Menschen in Deutschland an malignem Lymphom. Dies betrifft vor allem die Non-Hodgkin-Lymphome (NHL), die etwa 85 Prozent der Fälle ausmachen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erkrankten 1990 etwa 7700 Personen an einem NHL, im Jahr 2000 gab es bereits 12 561 Neuerkrankungen. In den USA stieg die Zahl der Neuerkrankungen in den vergangenen 20 Jahren sogar um das Dreifache.

Die gerade gestartete Informationskampagne "Setzen Sie ein Handzeichen gegen Krebs" will über die wenig bekannte Krebsart Lymphom aufklären (wir berichteten).

Derzeit laufen 50 Studien zu Lymphomen mit 2300 Patienten

Die Ursachen für die rasante Zunahme von Lymphknotenkrebs sind weitgehend unbekannt. "Möglicherweise ist die zunehmende Hygiene innerhalb unserer Gesellschaft eine der Ursachen, weil dadurch das Immunsystem der Kinder geschwächt wird", meint Professor Michael Hallek, Sprecher des 1999 gegründeten Kompetenznetzes Maligne Lymphome (KML).

In dem vom Bundesforschungsministerium finanziell unterstützten Netz haben sich die führenden deutschen Lymphom-Studiengruppen zusammengeschlossen. Derzeit laufen etwa 50 klinische Studien mit mehr als 2300 Patienten im Jahr.

"Was die Fortschritte in der Therapie der malignen Lymphome angeht, ist Deutschland Weltspitze", sagte Hallek aus Anlaß des Kampagnenstarts in Bonn. So seien die Heilungschancen für Patienten mit Hodgkin-Lymphom enorm gestiegen. Durch Therapien mit monoklonalen Antikörpern wie Rituximab würden auch zunehmend Erfolge bei Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) erzielt.

Doch noch immer werden nicht alle NHL-Patienten adäquat oder früh genug behandelt - was vor allem an der unspezifischen Symptomatik liegt: Müdigkeit, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, eine erhöhte Infektneigung, geschwollene Lymphknoten sind Beschwerden, die auch bei grippalen Infekten oder Entzündungen vorkommen.

Kompetenznetz berät bei Therapie und Studien

Hallek empfiehlt, zunächst zwei bis drei Wochen abzuwarten: Ist der Lymphknoten dann immer noch geschwollen und können andere Ursachen wie Toxoplasmose oder Viruserkrankungen ausgeschlossen werden, sollte ein Hämatologe oder Onkologe hinzugezogen werden. "Bei Fragen zu Behandlungsmöglichkeiten oder laufenden Therapiestudien können sich Ärzte und Patienten aber auch an den Konsiliardienst des Kompetenznetzes wenden."

Während Hallek davon ausgeht, daß Lymphom-Patienten in der Regel die Therapie erhalten, die sie benötigen, hat die Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe (DLH) andere Erfahrungen gemacht: "In letzter Zeit häufen sich bei uns Beschwerden von Patienten, weil die Krankenkassen eine Arzneimitteltherapie beispielsweise mit Thalidomid ablehnen", berichtet DLH-Vorsitzende Anita Waldmann. In diesen Fällen helfe ihr Verband - meist mit Erfolg.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.lymphome.de (Kompetenznetz Maligne Lymphome) und www.leukaemie-hilfe.de (DHL)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Spahn kritisiert Stimmungsmache der Ärzte

Die Ärzte sind verärgert über Spahns Versorgungsgesetz. Der Gesundheitsminister stellt gegenüber der "Ärzte Zeitung" irritiert klar: Die KBV hat am Gesetz mitgearbeitet. mehr »

Wer wird Galenus-Preisträger 2018?

Heute Abend ist es soweit: Im Rahmen einer feierlichen Gala werden wieder innovative Arzneimittel und hervorragende Grundlagenforscher mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis ausgezeichnet. 13 Innovationen sind im Rennen. mehr »

Glücklich und zufrieden mit dem Job

Ärzte und Psychotherapeuten arbeiten gerne in ihrem Beruf und würden ihn wieder ergreifen. Der Ärztemonitor zeigt auch: So viele Ärzte wie nie zuvor sind zufrieden mit der wirtschaftlichen Situation. mehr »