Ärzte Zeitung online, 05.08.2008
 

Heroin-Ersatzmittel Methadon zerstört Leukämiezellen

ULM (eb). Eine neue Therapie gegen Leukämie scheint sich abzuzeichnen. Zumindest im Labor zerstörte der Heroin-Substitutionsstoff Methadon Leukämiezellen. Und zwar auch solche, die bereits resistent sind.

Wissenschaftler um Dr. Claudia Friesen vom Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Ulm wiesen, dass Methadon, eigentlich ein Mittel gegen körperliche Entzugserscheinungen bei Heroinabhängigkeit, zum Absterben von Leukämiezellen führt. Dabei wurden im Labor Leukämiezellen mit verschiedenen Konzentrationen von Methadon behandelt.

Die positive Wirkung des Medikaments war bei kurzfristig hoher Dosierung ähnlich wie bei einer längerfristigen, dafür aber niedrigen Dosierung. Das Medikament wirkte auch bei Leukämiezellen, die sich gegen Chemotherapien und Bestrahlung resistent gezeigt hatten, wie die Uni mitteilt.

Das Methadon bewirkt in der Leukämiezelle vor allem zwei Dinge: Es hemmt die weitere Teilung und damit Vermehrung der Krebszellen, und es aktiviert Signalwege, die den Krebszellen den Befehl zum Absterben geben. Bei ihren Forschungen machten sich die Ulmer Wissenschaftler die Erkenntnis zunutze, dass bestimmte Leukämiezellen an ihrer Oberfläche Rezeptoren haben, die Methadon binden - dadurch kann das Medikament die erkrankten Zellen finden.

"Entscheidend ist dabei, dass das Methadon die gesunden Blutzellen nicht angreift", erläutert Studienleiterin Friesen. Es bestehe auch die Möglichkeit, dass Methadon bei anderen Krebsarten ähnlich gut wirken könne.

Die Erkenntnisse der Ulmer Forscher sollen nun in weiteren Versuchsreihen vertieft werden, um sie in konkrete Therapien umsetzen zu können. Dieser Prozess dauert meist einige Jahre. Er könnte sich in diesem Fall allerdings verkürzen, da Methadon gut erforscht ist und bei anderen Krankheitsbildern, beispielsweise auch in der Schmerztherapie, bereits eingesetzt wird.

Die Studie ist in der Fachzeitschrift "Cancer Research" veröffentlicht. Ein Abstract steht onleine unter http://cancerres.aacrjournals.org/cgi/content/abstract/68/15/6059

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