Ärzte Zeitung online, 20.03.2009

Hepatitis B und C sowie Drüsenfieber erhöhen Risiko für Lymphdrüsenkrebs

HEIDELBERG (eb). Hepatitis B und C sowie das Pfeiffersche Drüsenfieber erhöhen das Risiko für Krebserkrankungen des Lymphsystems. Das bestätigte jetzt eine europaweite Studie unter Leitung von Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums. Auch die Rheumatoide Arthritis (RA) galt als Risikofaktor für Lymphdrüsenkrebs. Doch möglicherweise spielt bei dieser Erkrankung auch die medikamentöse Behandlung eine Rolle.

Welche Krankheiten und welche Therapien erhöhen das Risiko, später an einem Lymphdrüsenkrebs zu erkranken? Dieser Frage gingen Wissenschaftler aus sieben europäischen Ländern in einer groß angelegten Studie nach (Journal of cancer research and clinical oncology, online vorab). Sie untersuchten knapp 2500 Patienten mit einer Krebserkrankung des Lymphsystems und ebenso viele Kontrollpersonen.

Per Fragebogen gaben die Teilnehmer darüber Auskunft, welche Krankheiten sie im Lauf ihres Lebens bereits hatten und wie diese behandelt wurden. Ganz gezielt fragten die Wissenschaftler nach Erkrankungen, die bereits im Verdacht stehen, das Lymphomrisiko zu beeinflussen. Dazu zählen Infektionskrankheiten wie Hepatitis B und C oder das durch das Epstein-Barr-Virus verursachte Pfeiffersche Drüsenfieber, aber auch Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes oder Rheumatoide Arthritis.

Die Forscher um Professor Nikolaus Becker konnten bestätigen, dass sowohl das Pfeiffersche Drüsenfieber als auch Hepatitis B und C das Lymphomrisiko der Studienteilnehmer erhöhten. So erkrankten Hepatitis-B-Patienten doppelt so häufig an einem Lymphom wie Studienteilnehmer ohne die Infektion.

Noch schwerwiegender wirkten sich Infektionskrankheiten im frühen Kindesalter aus: Unter den Teilnehmern, die vor ihrem sechstem Lebensjahr an Pfeifferschem Drüsenfieber gelitten hatten, war der Anteil an Lymphompatienten sogar sieben Mal höher als in der Kontrollgruppe. In Deutschland erkranken jährlich etwa 15 von 100 000 Menschen an einem Lymphom.

Auch die RA galt bislang als ein Risikofaktor für Lymphdrüsenkrebs. Dies wurde in der aktuellen Studie von Becker und Kollegen nicht bestätigt. Stattdessen fanden die Wissenschaftler Hinweise darauf, dass bei dieser Gelenkerkrankung die eingenommenen Medikamente eine Rolle spielen: Die Einnahme des Schmerzmittels Paracetamol verdoppelte das Lymphomrisiko der Arthritis-Patienten. Patienten, die ihre Arthritis mit so genannten nichtsteroidalen Antirheumatika behandelt hatten, erkrankten dagegen sogar etwas seltener an einem Lymphom als die Kontrollpersonen. Zu den nichtsteroidalen Antirheumatika zählen etwa die Medikamente ASS oder Ibuprofen.

Die Wissenschaftler warnen jedoch davor, die Ergebnisse überzubewerten: "Die Studie hat uns einen ersten Hinweis geliefert, dem wir weiter nachgehen müssen", sagt Becker. Den Patienten von der Einnahme von Paracetamol abzuraten, hält er zum jetzigen Zeitpunkt für voreilig. In einer weiteren Studie wollen die Forscher nun die gesammelten Daten gezielt auf die Frage hin untersuchen, wie die Einnahme von Medikamenten das Lymphomrisiko beeinflusst.

Abstract der Studie "Medical history and risk of lymphoma: results of a European case-control study (EPILYMPH)"

[20.03.2009, 10:01:24]
Gabriele Wagner 
Lymphknoten sind keine Drüsen
Sehr geehrte Frau Waldmann,

Sie haben Recht! Lymphknoten sind keine Drüsen. Der - falsche - Begriff Lymphdrüsenkrebs ist so sehr im allgemeinen Sprachgebrauch verankert, dass ihn selbst ausgewiesene Spezialisten benutzen (die es ja besser wissen). Und auch uns ist der Begriff im Artikel "durch gerutscht".
Ich spreche das Thema in der Redaktionskonferenz heute an.

Danke für Ihren Hinweis.

Beste Grüße
Gabriele Wagner
Leiterin Newsroom / Online zum Beitrag »
[20.03.2009, 08:41:14]
Anita Waldmann  anitawaldmann@aol.com
Lymphdrüsen- oder Lymphknotenkrebs
Sehr geehrte Damen und Herren Redakteure,

seit Jahren bemühen wir uns, den falschen Begriff "Lymphdrüsenkrebs" (es gibt absolut keine Lymphdrüsen)gegen die korrekte Bezeichnung "Lymphknotenkrebs" auszutauschen.
Wir bitten Sie, diese Bemühungen zukünftig in Ihren Veröffentlichungen ebenfalls zu unterstützen.
Vielen Dank im Voraus

Mit freundlichen Grüßen
Anita Waldmann als Gründerin und Vorsitzende
der Leukämiehilfe RHEIN-MAIN e.V., Gründerin und Ehrenvorsitzende der Deutschen Leukämie- & Lymphom-Hilfe e.V., Präsidentin von Myeloma Euronet. zum Beitrag »

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