Ärzte Zeitung online, 02.02.2010

Knochenmarkzellen verschmelzen leicht mit anderen Zellen

IOWA CITY (ple). Nach der Transplantation von Knochenmarkstammzellen eines Spenders kommt es offenbar physiologischerweise zur Verschmelzung dieser Zellen mit anderen Zellen im Empfänger des Transplantats. Das könnte sich künftig nutzen lassen, um die Abstoßung von Spenderorganen ohne Arzneimittel zu verhindern.

Bisher glaubten viele Wissenschaftler, dass sich etwa bei Patienten nach einem Herzinfarkt transplantierte Knochenmarkstammzellen direkt in Herzzellen verwandeln. Das ließ sich jedoch nicht belegen, so dass nun davon ausgegangen wird, dass therapeutische Effekte nach der Stammzelltransplantation durch Zytokine erzielt werden.

Jetzt wurde nachgewiesen, dass sich Zellen aus dem Knochenmark mit anderen Zellen verschmelzen. Solche fusionierten Zellen sind zumindest im Tierversuch vor allem im Knochenmark nachweisbar. Reichlich vorhanden sind diese Zellen aber unter anderem auch in den Nieren, in lymphatischem Gewebe der Darmschleimhaut und im Herzgewebe, wie jetzt US-Forscher in Versuchen mit Mäusen beobachtet haben (FASEB 24, 2010, 364).

Das Verschmelzen von Zellen könnte eines Tages helfen, Abstoßungsreaktionen auch ohne Immunsuppressiva zu vermeiden, wie die Wissenschaftler von der Universität Iowa in Iowa City berichten. Denn Empfängerzellen nehmen durch das Verschmelzen mit Knochenmarkzellen eines Spenders deren Eigenschaften an. Solche fusionierten Zellen wurden auch im peripheren Blut nachgewiesen.

Die US-Forscher stellten darüber hinaus in weiteren Experimenten fest, dass durch das Verschmelzen von Knochenmarkzellen mit embryonalen Stammzellen die Blutvorläuferzellen reprogrammiert, also verjüngt werden: sie nehmen Eigenschaften der embryonalen Stammzelle an. Dadurch erweitert sich ihr Entwicklungspotenzial: Unter anderem ließen sich in den Versuchen der US-Wissenschaftler die entstandenen Zellen in weniger als zwei Wochen in schlagende Herzmuskelzellen verwandeln.

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