Ärzte Zeitung online, 05.10.2010

Chronische Leukämie: seltener Rezidive durch Stammzelltransplantation

Chronische Leukämie: seltener Rezidive durch Stammzelltransplantation

BERLIN (gvg). Durch eine autologe Stammzelltransplantation (ASCT) lässt sich der Anteil der Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie, die nach fünf Jahren noch ohne Rezidiv sind, im Vergleich zu Patienten ohne Transplantation mehr als verdoppeln.

Bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) wurden die Endergebnisse einer europäischen Großstudie zur ASCT bei Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) vorgestellt. An der EBMT CLL auto-Studie nahmen 223 CLL-Patienten teil, die nach einer Erst- oder Zweitchemotherapie in kompletter oder partieller Remission waren. Die Patienten erhielten entweder eine ASCT oder wurden nur beobachtet und entsprechend dem Fortschreiten der Erkrankung therapiert. Primärer Endpunkt war das ereignisfreie Überleben (EFS) nach fünf Jahren.

Hier wurde ein deutlicher Nutzen für die Patienten in der ASCT-Gruppe erreicht. 42 Prozent der Patienten in der ASCT-Gruppe hatten nach fünf Jahren noch kein Rezidiv, im Vergleich zu 24 Prozent in der Kontrollgruppe. Das mediane ereignisfreie Überleben lag bei 51 (ASCT-Gruppe) versus 24 Monaten (Kontrollgruppe). Keinen Unterschied fanden die Ärzte dagegen in der Intention-to-treat-Analyse beim Parameter "Gesamtüberleben". In beiden Gruppen lebten etwa 85 Prozent der Patienten noch nach der gesamten Studiendauer von fünf Jahren. Die Resultate waren unabhängig von der Art der Induktions- und Konsolidierungstherapie.

Dr. Fabienne McClanahan, die die Daten in Berlin vorstellte, warnte davor, angesichts der guten EFS-Daten zu enthusiastisch zu werden. Zum einen zeigten die Überlebensdaten, dass es auch bei Verzicht auf die Transplantation hoch effektive medikamentöse Therapien gebe. Zum anderen sei die in der Studie genutzte Ersttherapie heute nicht mehr der Stand der Dinge. "So hatten die Patienten in dieser Studie zum Beispiel kein Rituximab bekommen", betonte McClanahan.

Interessant für die Zukunft seien weitere Studien, in denen beispielsweise der Stellenwerte der autologen Stammzelltransplantation nach einer Rituximab-basierten Ersttherapie geprüft werden könnte.

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