Ärzte Zeitung online, 27.07.2011
 

Freiburger sammeln Daten zur Stammzell-Transplantation bei Älteren

BONN/FREIBURG (eb). In einer neuen Studie werden Daten zur Stammzell-Transplantation bei älteren Krebs-Patienten erhoben. Die Studie soll unter anderem Aufschluss über individuelle Risiken geben.

Gerade bei älteren Krebs-Patienten sei eine Stammzell-Transplantation ja sehr belastend und nicht ungefährlich, teilt die Deutsche Krebshilfe in Bonn mit. Daher werde in vielen Fällen auf diese Therapiemöglichkeit verzichtet.

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg entwickelten nun einen Leitfaden, der Ärzten dabei helfen soll, mögliche Risiken einer Stammzell-Transplantation bei älteren Krebs-Patienten besser einschätzen zu können.

In einer Beobachtungsstudie werden 120 Betroffene auf ihre geistige und körperliche Verfassung vor, während und nach der Therapie hin untersucht, um Daten über die Verträglichkeit der Behandlungsmaßnahme zu gewinnen. Die Deutsche Krebshilfe fördert die Studie mit 165.000 Euro.

Bisher hätten die behandelnden Ärzte nach eigener, subjektiver Einschätzung entschieden, ob ein Patient für eine Stammzell-Transplantation geeignet ist, schreibt die Deutsche Krebshilfe.

Mit dem Ziel, diese Entscheidung zu standardisieren, untersuchten jetzt Wissenschaftler unter der Leitung von Dr. Barbara Deschler, Abteilung Hämatologie-Onkologie des Universitätsklinikums Freiburg, in einer Studie den Nutzen eines "Geriatrischen Assessments".

Dabei wird anhand eines standardisierten Fragenkatalogs und verschiedenen Untersuchungen der körperliche und geistige Zustand der Betroffenen vor, während und nach der Behandlung ermittelt. Zudem werden Aspekte der Lebensqualität besonders berücksichtigt.

Anhand der gewonnenen Daten wollen die Wissenschaftler einen Leitfaden erstellen, mit dem Vorhersagen über den möglichen Krankheits- und Therapieverlauf getroffen werden können. So soll zukünftig eine individuell auf den jeweiligen Patienten zugeschnittene Behandlung ermöglicht werden.

"Oftmals schließt schon allein ein höheres Patientenalter eine Stammzell-Transplantation aus", wird Deschler in der Mitteilung der Krebshilfe zitiert. "Unsere Studie soll dabei helfen, auch älteren Menschen diese therapeutische Option zu ermöglichen."

Das Projekt ist Teil eines Förderungsschwerpunkt-Programms der Deutschen Krebshilfe, mit dem die Therapie von Krebs-Patienten im höheren Lebensalter verbessert werden soll. Insgesamt werden im Rahmen dieses Programms sieben Forschungsprojekte mit einer Gesamtsumme von rund 3,2 Millionen Euro unterstützt.

Bösartige Erkrankungen des Blutes treten deutlich häufiger bei Menschen über 60 Jahren auf als bei Jüngeren. Bei Krebsarten wie der akuten myeloischen Leukämie (AML), dem Myelodysplastischen Syndrom (MDS) oder Lymphomen ist eine Transplantation von gesunden Stammzellen eines fremden Spenders oft die einzige Behandlungsmöglichkeit.

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