Ärzte Zeitung App, 28.11.2013

Kommentar

20.000 Hodgkin-Patienten zu viel

Für Hodgkin-Lymphom-Patienten im Alter über 60 Jahre gibt es noch keine Standardtherapie.

Von Peter Leiner

Es ist mit der Verdienst der Deutschen Hodgkin-Studiengruppe, innerhalb von mehr als drei Dekaden die Prognose der Patienten so weit verbessert zu haben, dass von einer Erfolgsstory in der Onkologie gesprochen werden kann - denn mehr als 80 Prozent können mit den ausgefeilten Therapiestrategien geheilt werden.

Das war nur möglich, weil die Hämatoonkologen auch europaweit erfolgreich zusammenarbeiten.

Leider lässt sich der Erfolg nicht so ohne Weiteres auf Ältere übertragen, vor allem nicht auf solche mit Rezidiven. Das ist eine ganz andere Patientengruppe, der Therapiestandard bei Jüngeren versagt hier.

Und dieses Problem wird immer drängender, weil die Zahl der Patienten mit Morbus Hodgkin, die älter als 60 Jahre sind, zunehmen wird. Derzeit sind 25 bis 33 Prozent der Patienten in diesem Alter.

Entsprechende klinische Forschung muss deshalb weiter unterstützt werden, so wie dies etwa durch die Deutsche Krebshilfe geschieht. Ebenso muss auch der Anteil jener Patienten, die in die Studien einbezogen werden können, deutlich erhöht werden.

Denn bei Erkrankungen mit vergleichsweise geringer Prävalenz wie den Lymphomen - am Hodgkin-Lymphom erkranken in Deutschland jährlich etwa 2000 Menschen - sind vermutlich 20.000 Betroffene, die jährlich außerhalb von Studien behandelt werden, 20.000 zu viel. Und da sind auch Hausärzte gefragt.

Lesen Sie dazu auch:
Rezidiviertes Lymphom: Ältere Hodgkin-Patienten im Fokus

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