Ärzte Zeitung online, 31.08.2017

Hämatoonkologie

Neue Chancen durch Blockade von PD1-Checkpoint

Bietet die Immunonkologie in der Hämatoonkologie eine Perspektive für Langzeitüberleben?

MADRID. Das Immunsystem kann ja Krebszellen anhand von tumorspezifischen Antigenen erkennen und eliminieren, bevor sich der Tumor manifestiert. Tumorzellen entwickeln allerdings ihrerseits immunevasive Strategien, um der Immunüberwachung zu entkommen. Eine ist die missbräuchliche Nutzung von Immun-Checkpoints, die eigentlich der Regulierung von T-Zell-vermittelten Immunreaktionen dienen. Immun-Checkpoint-Inhibitoren wie Nivolumab blockieren die verhängnisvolle Interaktion zwischen Tumorzellen und Immunzellen.

Der monoklonale Antikörper Nivolumab (Opdivo®) verhindert die Interaktion des immunregulativen Checkpoint-Rezeptors PD-1 (Programmed Death-1) mit den Liganden PD-L1 und PD-L2, so dass das inhibierende Signal an die T-Zellen unterdrückt wird, wie bei einer von Bristol-Myers Squibb unterstützten Veranstaltung in Madrid erinnert wurde. Da PD-L1 unter anderem auch von Tumorzellen exprimiert und der PD-1-Checkpoint-Mechanismus auf diese Weise zur Erzeugung eines immunsuppressiven Milieus herangezogen werden kann, dient die PD-1-Checkpoint-Blockade der Wiederherstellung der antitumoralen Immunantwort.

Im Vergleich zur zytotoxischen oder molekular zielgerichteten Therapie richtet sich der immunonkologische Therapieansatz nicht direkt gegen Tumorzellen, sondern adressiert viel mehr das Immunsystem. Bei einem Teil der Krebskranken zeigt die immunvermittelte Wirkweise im Unterschied zu den konventionellen Therapieoptionen das Potenzial für ein anhaltendes Therapieansprechen: Dafür spricht der plateauartige Verlauf der Überlebenskurve, wie er etwa beim malignen Melanom bei bis zu 20 Prozent der Patienten beobachtet wurde, die mit Ipilimumab behandelt wurden.

Die PD-1-Checkpoint-Blockade erweitert die Therapiechancen nicht nur bei soliden Tumoren: Beim klassischen Hodgkin-Lymphom (cHL) betrug das Ansprechen auf Nivolumab (ORR) nach einem aktualisierten Follow-up der Studie CheckMate-205 von median 23 Monaten 68 Prozent. Die Patienten mit rezidivierendem oder refraktärem cHL waren intensiv vorbehandelt und hatten zuvor eine autologe Stammzelltransplantation sowie eine Therapie mit Brentuximab Vedotin erhalten. Das progressionsfreie Überleben umfasste 22 Monate, das Gesamtüberleben wurde noch nicht erreicht. Nivolumab ist als Monotherapie zur Behandlung des rezidivierenden oder refraktären klassischen Hodgkin-Lymphoms bei Erwachsenen nach einer autologen Stammzelltransplantation und Behandlung mit Brentuximab Vedotin indiziert.(ys)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Fehldiagnose lässt "Thrombophilie"-Patientin zittern

Bei einer Frau mit Venenthrombose wurde eine Thrombophilie-Diagnostik vorgenommen. Der Verdacht erhärtete sich und bescherte ihr angstvolle Wochen. mehr »

Schärfe und Säure kurbeln das Immunsystem an

Was wir essen, beeinflusst maßgeblich, wie gut die Immunabwehr im Speichel funktioniert. Das haben Münchener Forscher untersucht. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »