Ärzte Zeitung, 01.02.2005

Pluspunkte für Letrozol bei adjuvanter Brustkrebs-Therapie

Rezidivrate signifikant geringer als mit Standardmedikation / Erste Ergebnisse einer Studie mit mehr als 8000 Frauen in der Postmenopause

ST. GALLEN (grue). Der Aromatasehemmer Letrozol ist in der adjuvanten Brustkrebstherapie dem Standard Tamoxifen überlegen, was den Schutz vor Rezidiven betrifft. In einer direkten Vergleichsstudie bei Frauen in der Postmenopause mit hormonsensitivem Brustkrebs waren die Unterschiede bereits nach etwa zwei Jahren signifikant zugunsten des Aromatasehemmers.

Erste Ergebnisse der Breast International Group Study mit dem Kürzel BIG 1-98 sind - wie bereits kurz berichtet - bei der 9. Brustkrebs-Konferenz in St. Gallen in der Schweiz vorgestellt worden. In die vierarmige Studie sind über 8000 Frauen in der Postmenopause mit hormonsensitivem Brustkrebs aufgenommen worden.

Sie werden fünf Jahre lang adjuvant behandelt, und zwar entweder durchgehend mit 2,5 mg/Tag Letrozol (vom Unternehmen Novartis als Femara® im Handel) oder durchgehend mit dem Antiöstrogen Tamoxifen (20 mg/Tag) oder zuerst 2,5 Jahre mit Letrozol gefolgt von 2,5 Jahren mit Tamoxifen oder umgekehrt. Insgesamt 4003 Frauen erhielten bisher Letrozol und 4007 Frauen Tamoxifen. Primärer Endpunkt der Studie ist das rezidivfreie Überleben.

Präsentiert wurden jetzt die Ergebnisse nach im Median 26 Monaten Therapie: Bei den Frauen, die Letrozol erhalten hatten, gab es 351 Rezidive und in der Tamoxifen-Gruppe 428 Ereignisse dieser Art. Das bedeutet eine signifikante relative Risikoreduktion um 19 Prozent.

Wie Privatdozent Dr. Beat Thürlimann vom Kantonsspital St. Gallen berichtet hat, gab es mit Letrozol auch wesentlich weniger Fernmetastasen, und zwar 184 im Vergleich zu 249 mit Tamoxifen. Das bedeutet eine relative Risikoreduktion um 27 Prozent.

Die Gesamtüberlebensrate sei bei den Frauen in der Letrozol-Gruppe um 14 Prozent höher und damit tendenziell, aber nicht signifikant höher gewesen als bei den Frauen unter Tamoxifen, sagte Thürlimann.

Beide Präparate sind nach Angaben des Schweizer Onkologen allgemein gut vertragen worden, es habe jedoch mit dem Antiöstrogen etwas häufiger Thrombosen und mit dem Aromatasehemmer mehr Knochenbrüche gegeben.

Letrozol hat sich bereits seit längerem bei Brustkrebs bewährt: So ist die Substanz jetzt zur erweiterten adjuvanten Brustkrebs-Behandlung nach fünf Jahren Tamoxifen zugelassen worden. Zudem ist das Medikament zur First-Line-Therapie bei Frauen in der Postmenopause mit hormonabhängigem fortgeschrittenen Brustkrebs zugelassen.

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