Ärzte Zeitung, 22.02.2005

Switch von Antiöstrogen zu Aromatasehemmer bei Mamma-Ca

Bei adjuvanter Tamoxifen-Therapie ist Wechsel nach zwei Jahren auf Anastrozol von Vorteil / Alternative: Gleich den Aromatasehemmer nehmen

FRANKFURT/MAIN (nsi). Frauen in der Postmenopause mit hormonsensitiven Mamma-Karzinom, die adjuvant mit dem Antiöstrogen Tamoxifen behandelt werden, sollten nach zwei bis drei Jahren auf einen Aromatasehemmer wie Anastrozol umgestellt werden. Die adjuvante Therapie kann entweder mit Tamoxifen oder gleich mit einem Aromatasehemmer begonnen werden.

Das ist Konsens gewesen bei den Experten der 9. Internationalen Konferenz zur Primärtherapie beim frühen Mamma-Karzinom in St. Gallen in der Schweiz. Zu der Frage, bei welchen Frauen bereits initial mit einem Aromatasehemmer werden sollte, konnte in St. Gallen aber noch keine Einigkeit erzielt werden.

So faßte Professor Manfred Kaufmann aus Frankfurt am Main die Empfehlungen der Konferenz vom Februar diesen Jahres bei einer Veranstaltung von AstraZeneca in Frankfurt am Main zusammen. Kaufmann gehört als einer von zwei deutschen Experten zum 29köpfigen internationalen Panel der St-Gallen-Konferenz.

Eine der Grundlagen für die Empfehlungen ist die kombinierte Auswertung der ARNO-95- und der ABCSG-8-Studie. Untersucht wurde, ob nach einer zweijährigen Tamoxifen-Therapie ein Wechsel zu Anastrozol (in Deutschland Arimidex®) effektiver ist als die Fortsetzung der Tamoxifen-Therapie für die restlichen drei Jahre (wir berichteten).

Primärer Endpunkt war in beiden Studien das ereignisfreie Überleben. 27 Prozent der 3224 Brustkrebs-Patientinnen hatten befallene Lymphknoten. Bei allen Frauen hatten sich die Tumoren als hormonrezeptorpositiv erwiesen. Keine der Patientinnen erhielt nach der Operation eine Chemotherapie. 1563 Frauen wurden nach der zweijährigen Tamoxifen-Therapie für die Umstellung auf Anastrozol randomisiert.

Nach einer Behandlungszeit von im Median 26 Monaten habe es bei den wichtigsten Parametern, dem ereignis- und dem metastasenfreien Überleben, einen klaren Vorteil für den Wechsel von Tamoxifen zu Anastrozol gegeben, resümierte Kaufmann die Studien. Beide Behandlungen seien gut vertragen worden. Mit Anastrozol seien aber mehr Frakturen aufgetreten als mit Tamoxifen (2,4 versus 1,2 Prozent).

Anastrozol ist derzeit der einzige Aromatasehemmer in Deutschland, der für die primäre adjuvante Therapie beim Mamma-Ca zugelassen ist, und zwar für Patientinnen in der Postmenopause mit Kontraindikationen für Tamoxifen. Für solche Frauen sei Anastrozol schon heute in der Primärtherapie eine gute Alternative zu Tamoxifen, sagte Kaufmann.

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