Ärzte Zeitung, 10.06.2005

Anastrozol bewährt sich als Brustkrebs-Adjuvans

Diskussion um den geeigneten Behandlungszeitpunkt / Initiale Therapie und Einsatz nach Tamoxifen erfolgreich

KARLSRUHE (kat). Die aktuellen Daten zur adjuvanten Hormontherapie mit Anastrozol bei Frauen mit Brustkrebs belegen, daß dieser Aromatasehemmer dem Antiöstrogen Tamoxifen signifikant überlegen ist, was die Senkung des Rezidivrisikos betrifft - und zwar unabhängig davon ob die Substanz initial oder erst nach einer Tamoxifen-Therapie angewandt wird.

Die ATAC (Arimidex, Tamoxifen, Alone or in Combination)-Studie konnte zeigen, daß bei Brustkrebs-Patientinnen in der Postmenopause durch die initiale adjuvante Therapie mit Anastrozol (Arimidex®) mehr Rezidive verhindert werden als mit dem Standardtherapeutikum Tamoxifen.

    Patientinnen profitierten von der Umstellung.
   

Bis zum Ende der fünfjährigen Studie hatte es mit Anastrozol, besonders bei den Frauen mit Hormonrezeptor-positiven Tumoren, signifikant weniger Rückfälle, kontralaterale Mamma-Tumoren und Fernmetastasen gegeben. Außerdem wurde mit dem Aromatasehemmer eine signifikant längere krankheitsfreie Überlebenszeit beobachtet, wie Professor Wilfried Budach aus Düsseldorf berichtet hat.

Von Vorteil sei zudem, daß mit Anastrozol nicht vermehrt Thrombosen, Schlaganfälle und Endometrium-Karzinome auftreten, sagte Budach auf einer Veranstaltung von AstraZeneca in Karlsruhe.

Patientinnen, die schon zwei bis drei Jahre mit Tamoxifen behandelt wurden, profitieren von einer Umstellung auf Anastrozol im Vergleich zu jenen, die durchgehend fünf Jahre Tamoxifen erhalten, wie eine weitere Studie ergeben hat.

Vor allem das Risiko für Rezidive und Fernmetastasen ist nach der Umstellung signifikant geringer. Was das Gesamtüberleben betrifft, war zwar kein Vorteil bei den auf Anastrozol umgestellten Frauen zu beobachten, es gab jedoch einen Trend zu einer höheren ereignisfreien Drei-Jahres-Überlebensrate.

Selbst bei einer zusätzlichen Zwei-Jahres-Therapie mit Anastrozol im Anschluß an eine fünfjährige Therapie mit Tamoxifen ist das Rezidivrisiko signifikant gegenüber Placebo verringert, so ein Studienergebnis.

Obwohl bisher noch kein Überlebensvorteil für die Substanz nachgewiesen ist, bezeichnete Budach Anastrozol als festen Bestandteil der adjuvanten Brustkrebs-Therapie, und zwar nicht mehr nur bei Kontraindikationen gegen Tamoxifen. Die Effektivität sei in allen adjuvanten Situationen belegt.

Derzeit diskutieren die Experten noch, wann der optimale Zeitpunkt für die Verwendung des Aromatasehemmers ist. 40 Prozent favorisieren nach Angaben von Budach die initiale Therapie mit Anastrozol, 60 Prozent nach zwei bis drei Jahren Tamoxifen-Therapie. Wurde bereits fünf Jahre mit dem Antiöstrogen behandelt, seien 49 Prozent der Experten dafür, Lymphknoten-positive Frauen weitere drei Jahre mit dem Aromatasehemmer zu behandeln.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Gala mit Herz und Verstand

Mit einer festlichen Gala hat Springer Medizin pharmakologische Innovationen und ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die Preisträger vermittelten Hoffnung auf Heilung und auf Hilfe, hieß es am Donnerstagabend. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der deutschen pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »