Ärzte Zeitung, 10.04.2006

Frauen mit Brustkrebs profitieren von Teilnahme an Studien

In Studien eher leitliniengerechte Therapie / Interdisziplinäre Leitlinien werden bis Ende 2006 überarbeitet / In Zukunft schnellere Aktualisierung

BERLIN (awa). Die Prognose von Frauen mit Mammakarzinom verbessert sich durch eine leitliniengerechte Therapie. Eine solche Therapie wird vor allem in Studien gewährleistet.

In Deutschland werden etwa nur drei bis fünf Prozent der Patientinnen mit Brustkrebs innerhalb klinischer Studien behandelt. In zertifizierten Brustzentren sind es jedoch 30 Prozent. Diese Zahlen nannte Professor Rolf Kreienberg von der Universitätsfrauenklinik Ulm auf dem Deutschen Krebskongreß in Berlin.

In Studien ist eine qualitätsgesicherte Behandlung gewahrt, die Patientinnen haben dadurch eine bessere Prognose. Deshalb sollten sehr viel mehr Frauen mit Brustkrebs in Studien betreut werden als bisher, so Kreienberg.

Die Überlebenszeiten von Frauen mit Brustkrebs, die innerhalb von Studien behandelt werden, verlängert, weil sie eine leitliniengerechte Therapie erhalten, hob Kreienberg hervor. So ist in einer kanadische Untersuchung nachgewiesen worden: Vor Einführung der Empfehlungen einer Konsensus-Konferenz 1995 für die adjuvante Behandlung beim Mammakarzinom erhielten 65 Prozent der Frauen eine solche Therapie.

Nachdem die Empfehlungen eingeführt wurden, waren es 89 Prozent. Davon profitierten vor allem Frauen mit einem mittleren und hohen Rezidiv-Risiko. So überlebten nach einer leitliniengerechten Therapie innerhalb von sieben Jahren neun Prozent mehr Patientinnen.

Die Leitlinie zu Diagnostik, Therapie und Nachsorge beim Mammakarzinom von 2004 soll bis Ende des Jahres komplett überarbeitet werden, so Kreienberg. Dazu erfolge für alle 126 Statements eine komplette Literaturrecherche auf Basis der Schlüsselwörter der bisherigen Literatur.

Die einzelnen Module wie Radiotherapie, adjuvante Therapie und Therapie beim metastasierten Mammakarzinom können später nach aktuellen Studienergebnissen innerhalb kurzer Zeit einzeln aktualisiert werden.

Kreienberg bemängelte, daß ältere Patientinnen über 65 Jahre in Studien nicht ausreichend präsent seien. So habe eine Untersuchung aus den USA ergeben, daß zwar 49 Prozent der Brustkrebs-Patientinnen älter als 65 Jahre sind, aber nur 9 Prozent von ihnen in Studien behandelt werden. Die Folge: Es bleibt unklar, ob die Studienergebnisse auf die Gruppe der älteren Frauen übertragen werden können.

Leitlinien im Internet: http://leitlinien.net, Mamma-Ca: Nr. 032/045

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