Ärzte Zeitung, 09.10.2007

Aromatasehemmer in puncto Verträglichkeit von Vorteil

Vaginalblutungen mit Anastrozol nur halb so häufig wie mit Antiöstrogen / Fünf-Jahres-Ergebnisse bei Frauen mit Mamma-Karzinom

BERLIN (grue). Ein Pluspunkt für die adjuvante Brustkrebstherapie mit dem Aromatasehemmer Anastrozol ist abgesehen von dem effektiven Schutz vor Rezidiven die gute Verträglichkeit. Unerwünschte Wirkungen wie Hitzewallungen und Vaginalblutungen sind mit dieser Substanz deutlich seltener als mit dem Antiöstrogen Tamoxifen.

Anastrozol (Arimidex®) ist für die adjuvante Behandlung von Frauen in der Postmenopause mit hormonabhängigem Mamma-Karzinom zugelassen und kann anstelle des Antiöstrogens Tamoxifen verwendet werden. In der ATAC*-Studie war die Rezidivrate mit Anastrozol bei solchen Patientinnen geringer als mit Tamoxifen. Außerdem war die Zeit bis zur Fernmetastasierung mit dem Aromatasehemmer signifikant länger. Daran hat Dr. Stefan Paepke aus München bei einer Veranstaltung von Astra Zeneca in Berlin erinnert.

Noch in diesem Jahre würden weitere Ergebnisse aus der ATAC-Studie erwartet, so Paepke. Dabei geht es unter anderem um die Langzeitverträglichkeit der Substanzen. Nach den bisher vorliegenden Fünf-Jahres-Ergebnissen ist das Risiko für therapiebedingte unerwünschte Wirkungen mit Anastrozol um 22 Prozent geringer als mit Tamoxifen. Schwere therapiebedingte Nebenwirkungen treten mit dem Aromatasehemmer nur etwa halb so oft auf (fünf Prozent versus neun Prozent). Die Frauen hätten mit dem Aromatasehemmer zum Beispiel seltener Hitzewallungen und Vaginalblutungen, berichtete Paepke.

"Gerade solche Nebenwirkungen werden in der langjährigen adjuvanten Therapie als belastend empfunden", so der Gynäkologe. Die Patientinnen sollten nach Angaben des Kollegen aber auch darüber informiert werden, dass bei der Aromatasehemmer-Therapie etwas häufiger als mit Tamoxifen Gelenkschmerzen auftreten sowie Knochenfrakturen. Bei Frauen mit starken Gelenkbeschwerden und solchen mit vorbestehender Osteoporose oder Osteopenie sollte daher auf den Aromatasehemmer verzichtet werden, rät Paepke. Frauen mit normaler Knochendichte bei Therapiestart hätten unter Anastrozol aber kein erhöhtes Osteoporose-Risiko.

*ATAC: Anastrozol, Tamoxifen Alone or in Combination

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »