Ärzte Zeitung, 28.09.2007

Frauenselbsthilfe kritisiert übereilte Brust-Operationen

BERLIN (ble). Die Bundesvorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs, Hilde Schulte, hat scharfe Kritik an überstürzten Operationen von Frauen nach einem positiven Brustkrebsbefund durch die Mammografiezentren geäußert.

So komme es immer wieder vor, dass Frauen mit einem positiven Befund bereits tags darauf operiert würden, "nur weil der OP frei ist oder es dem Arzt in den Kram passt", sagte sie bei einer Veranstaltung in Berlin zum Brustkrebsmonat Oktober. "Wir bekommen aus der ganzen Republik Rückmeldungen, dass sich Frauen überrumpelt fühlen", kritisierte sie.

Viele Frauen befänden sich nach der Diagnose Krebs in einem Schockzustand und könnten in so kurzer Zeit keine objektiven Entscheidungen treffen, so Schulte. Sie kritisierte zudem, dass auch Frauen mit einem Frühstadium des Krebses, dem Duktalen Carcinoma in situ (DCIS), unterschiedslos operiert würden. "Nur ein Teil der DCIS entwickelt sich und führt irgendwann zu Symptomen", sagte sie.

Vertreterinnen von Mammografiezentren wiesen die Darstellungen Schultes zurück. So gebe es Frauen, die sofort operiert werden wollten, sagte die Leiterin des Uni-Brustzentrums Tübingen, Dr. Ute Krainick-Strobel. Anderen Frauen empfehle man, sich mehr Zeit für eine Entscheidung zu lassen, da es nicht auf wenige Tage ankomme. "Vorrang hat immer der Wunsch der Frau", sagte auch die Leiterin des Referenzzentrums Mammografie Berlin Dr. Lisa Regitz-Jedermann. Wichtig sei, die Frauen nach positivem Befund nicht aus den Augen zu verlieren, so Krainick-Strobel.

Sie verteidigte das Vorgehen beim Frühstadium des Brustkrebs: "Ich möchte lieber mit 69 Jahren ein DCIS operiert bekommen als mit 80 Jahren ein nicht mehr operables Karzinom zu haben." Die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe Professor Dagmar Schipanski warnte vor einer Verunsicherung der Frauen durch Kritik am Mammografie-Konzept.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

"Natürliche Cholesterinsenker" bei Statin-Intoleranz?

Nahrungsergänzungsmittel als "natürliche Cholesterinsenker" sind umstritten. Bei Patienten mit Statinunverträglichkeit können sie aber hilfreich sein. Was empfehlen Experten? mehr »

Bei der Digitalisierung viel Luft nach oben

Die KBV hat nachgefragt, was sich in Sachen Digitalisierung in den Arztpraxen schon getan hat. Fazit: Manches ist schon umgesetzt. Wo sind noch ungenutzte Chancen? mehr »

Forscher entdecken Mikroplastik in menschlichen Stuhlproben

12.43Eine Pilotstudie hat winzige Plastikpartikel in menschlichen Stuhlproben gefunden – weltweit. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat unterdessen eine erste Stellungnahme abgegeben. mehr »