Ärzte Zeitung, 21.04.2008

Mammografie-Screening auch im Alter?

Wird das Programm auf über 70-Jährige erweitert, sinkt die Brustkrebs-Sterberate bei sehr Alten um 30 Prozent

BERLIN (hub). Neue Chancen gibt es für Frauen mit Mamma-Ca. Die Daten wurden beim Brustkrebs-Kongress EBCC in Berlin vorgestellt: Eine zusätzliche Antikörper-Therapie erhöht Chancen bei Brustkrebs. Ein Mammografie-Screening bringt auch was für über 70-Jährige.

  • Antikörper-Therapie: 453 Frauen mit überexprimiertem HER2-Rezeptor erhielten entweder eine alleinige Chemotherapie aus Anthrazyklin und Taxan oder zusätzlich den Antikörper Trastuzumab (Herceptin®). Innerhalb von 15 Monaten gab es bei den Frauen in der Gruppe mit Antikörper bei 41 Prozent keinen Hinweis auf ein Rezidiv. In der Gruppe mit reiner Chemotherapie war das nur bei knapp 20 Prozent der Fall. "Die Studie hat belegt, dass eine Anthrazyklin/Taxan-Chemo plus Antikörper gegen den HER2/neu-Rezeptor die komplette Ansprechrate deutlich erhöht", sagte Professor Michael Untch vom Helios-Klinikum Berlin-Buch, "und das ohne negative Effekte auf das Herz." Patientinnen mit bestehenden Herzproblemen waren von der Studie ausgeschlossen.
  • Mammografie mit über 70: Frauen profitieren von einer Teilnahme an Screening-Programmen auch dann, wenn sie älter als 70 Jahre alt sind. Das haben Daten aus den Niederlanden belegt. Dort wurde das Screening auf 70- bis 75-Jährige erweitert. Fünf Jahre später war die Brustkrebs-assoziierte Sterberate durch bei den dann 75- bis 79-jährigen Frauen um fast ein Drittel niedriger als bei Frauen der gleichen Altersgruppe 10 bis 20 Jahre zuvor: Absolut sank die Rate von 166 auf 117 pro 100 000.
  • Akupunktur: Patientinnen mit Tamoxifen-Therapie hatten mit traditioneller chinesischer Akupunktur 50 Prozent weniger Hitzewallungen als Frauen, die nur eine Sham-Akupunktur erhielten.
  • Herzrisiko: Das Risiko für Herzinfarkte durch eine Aromatasehemmer-Therapie werde bisher überschätzt, sagte Dr. Alain Monnier aus Belfort in Frankreich. In Studien beobachtete kardiovaskuläre Vorteile für Tamoxifen im Vergleich zu Aromatasehemmern (AI) lägen an kardioprotektiven Effekten des Tamoxifens. Tödliche Herzinfarkte seien bei Frauen mit adjuvanter AI-Therapie nicht häufiger als bei gleichaltrigen Frauen in der Postmenopause ohne Brustkrebs. In mehreren Studien seien Aromatasehemmer für die Krebstherapie effektiver als Tamoxifen gewesen, so Monnier.

Nadeln mindern Hitzewallungen bei Therapie mit Tamoxifen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Stress in der Arbeit, Demenz als Rentner?

Wer sich im Berufsleben sehr gestresst fühlt, baut als Rentner schneller geistig ab. Liegt das tatsächlich an den Arbeitsbedingungen? Forscher sind dieser Frage jetzt nachgegangen. mehr »

Weg mit dem Heilpraktikerberuf!

Die Abschaffung des Heilpraktikerberufes steht im Fokus eines aktuell publizierten Memorandums. Aufgestellt hat die Forderung der neu gegründete "Münsteraner Kreis" um die Medizinethikerin Prof. Bettina Schöne-Seifert. mehr »

Klinikärzte mahnen Diabetes-Screening an

Patienten mit Diabetes müssen länger im Krankenhaus bleiben und haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Tübinger Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass ein Diabetes-Screening für über 50-Jährige sinnvoll ist. mehr »