Ärzte Zeitung online, 28.05.2008
 

Hormontherapie: Ab fünf Jahren ist Brustkreb-Risiko erhöht

HEIDELBERG (dpa). Eine länger als fünf Jahre dauernde Hormonersatz-Therapie erhöht bei Frauen das Brustkrebsrisiko deutlich. Das geht aus einer am Mittwoch in Heidelberg präsentierten Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf hervor.

Nach dem Ende der Therapie sinkt das Erkrankungsrisiko innerhalb von fünf Jahren auf das Niveau von Frauen, die nie solche Präparate zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden eingenommen haben.

Laut DKFZ haben verschiedene Hormonpräparate zudem unterschiedliche Effekte: So verdoppele eine über mehr als fünf Jahre hinweg angewendete Kombinationstherapie mit Östrogen und Gestagen das Brustkrebsrisiko, während es bei einer nur auf Östrogen basierenden Therapie nur um 15 Prozent steige.

Die über sechs Jahre hinweg erstellte Studie bestätige insgesamt Befunde von zwei US-amerikanischen und britischen Untersuchungen aus den Jahren 2002 und 2003, sagte der Studienleiter Professor Wilhelm Braendle vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Nach Angaben der DKFZ-Wissenschaftlerin Professor Jenny Chang-Claude war in der Vergangenheit häufig eingewandt worden, die Ergebnisse der US-Studie ließen sich wegen anderer Verschreibungsgewohnheiten nicht auf Deutschland übertragen. Insgesamt gaben für die deutsche Studie 3464 Brustkrebs-Patientinnen und 6657 gesunde Frauen im Alter von 50 bis 74 Jahren Auskunft über die Hormone, die sie einnehmen oder eingenommen hatten.

Insgesamt hatten die befragten Frauen, die solche Hormone nehmen oder früher genommen haben im Schnitt ein um 37 Prozent höheres Brustkrebsrisiko als Frauen ohne Hormontherapie. Direkt während der Hormoneinnahme war das Risiko sogar um 73 Prozent erhöht. Diese signifikante Risikosteigerung gelte aber fast nur für Frauen, die die Hormone fünf Jahre oder länger nähmen, hieß es. Für Frauen mit kürzerer Therapiezeit bestehe dieses Risiko nicht. Nach Braendles Angaben zeigt die Studie auch, dass die unterschiedliche Hormonersatz-Therapie auch Einfluss auf die Entstehung verschiedener Typen von Brustkrebs hat.

"Mit unseren neuen Daten geben wir den Ärzten in Deutschland solide Informationen an die Hand, um ihre Patientinnen über Nutzen und Risiken einer Hormonersatz-Therapie zu beraten", sagte Chang-Claude. Die MARIE genannte Studie ist im "International Journal of Cancer" veröffentlicht.

Weitere Informationen beim DKFZ: www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2008/dkfz_pm_08_32.php

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Keine Herzgeräusche im Stehen – kein Herzfehler

Mit einer simplen Methode können Ärzte pathologische von physiologischen Herzgeräuschen bei Kindern unterscheiden. mehr »

Stammzellgesetz – Bremse für Forscher?

15 Jahre nach der hochemotionalen Debatte um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen fürchten Forscher durch das Stammzellgesetz Nachteile in Deutschland. mehr »

Art der Heilung zählt fürs Honorar

Bei der Abrechnung der postoperativen Wundversorgung haben Hausärzte im EBM mehr Möglichkeiten als häufig angenommen. mehr »