Ärzte Zeitung, 28.07.2008

Trastuzumab erhält einen Innovations-Preis

Robert Koch Award des Urban & Vogel Verlages

MÜNCHEN (wst). Der monoklonale Antikörper Trastuzumab (Herceptin®) ist mit dem Robert Koch Award ausgezeichnet worden. Der Preis ist für medizinische Innovationen vorgesehen, die die Patientenversorgung entscheidend verbessern und die zudem ein großes Potenzial für die weitere klinische Forschung haben. Die Auszeichnung wird vom Verlag Urban & Vogel, der zum Springer Medizin Verlag gehört, ausgelobt.

Die Vorgaben für den Preis werden von Trastuzumab bestens erfüllt, sagte der Pharmakologe Professor Thomas Unger aus Berlin bei der Preisverleihung in München. Der gegen den Tumorrezeptor HER2 (Human epidermal growth factor-receptor 2) gerichtete Antikörper hat mit einem völlig neuen Wirkprinzip die Prognose von Brustkrebspatientinnen mit HER2-positiven Tumoren sowohl im frühen wie auch im fortgeschrittenen Stadium entscheidend verbessert.

Folgerichtig wurde Trastuzumab im August 2000 in der gesamten europäischen Union zunächst zur Behandlung von Patientinnen mit HER2-positivem metastasiertem Mammakarzinom zugelassen. Im Frühjahr 2006 erfolge die Zulassungserweiterung auch für Frauen mit frühem HER2-positivem Brustkrebs.

Die Prognose wurde entscheidend verbessert.

Den mehrdimensionalen Wirkmechanismus von Trastuzumab erklärte Professor Nadia Harbeck von der Frauenklinik der TU München. Danach blockiert der Antikörper Funktionen von HER2 und reduziert damit die Bösartigkeit des Tumors. Das Tumorwachstum wird gebremst.

Gleichzeitig werden mit Trastuzumab behaftete Tumorzellen empfindlicher für Chemo- und Antihormontherapien und prädestinieren den Antikörper als wichtige Komponente in unterschiedlichen Kombinationsschemata. Schließlich können mit Trastuzumab markierte Tumorzellen auch von der körpereigenen Immunabwehr besser erkannt und angegangen werden.

Die Erfolgsgeschichte des relativ gut verträglichen Trastuzumab geht aber wohl noch weiter, betonte Professor Klaus Strein vom Unternehmen Roche Pharma aus Penzberg.

Eine hoffnungsvolle neue Strategie ist schon in die klinische Prüfung gegangen. Der Antikörper wird dabei als Fähre genutzt, um zytotoxische Substanzen gezielt und selektiv zu Tumorzellen zu transportieren (Trastuzumab-DM1).

Und weltweit läuft eine große Zulassungsstudie zum Einsatz von Trastuzumab bei Patienten mit fortgeschrittenen Magenkarzinomen. Denn auch diese Malignome haben in Abhängigkeit von ihrer Lokalisation zu 20 Prozent eine Überexpression von HER2.

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