Ärzte Zeitung online, 22.08.2008

Strahlenschützer sind gegen Mammografie-Screening ab 40

BERLIN (fst). Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) rät gegenwärtig davon ab, dass flächendeckende Mammografie-Screening auf Frauen ab 40 Jahren auszuweiten. Beim Vergleich von Nutzen und Risiko durch zusätzliche Strahlenexposition sei dies nicht zu rechtfertigen.

Foto: Kooperationsgemeinschaft Mammografie

Anders bewertet die Bundesbehörde dagegen eine potenzielle Einbeziehung von Frauen ab 45 Jahren. Für diese Altersgruppe bezeichnet das BfS die gegenwärtige Diskussion zumindestens als "aus fachlicher Sicht nachvollziehbar", heißt es im neuen Jahresbericht der Behörde. Allerdings empfehlen die Strahlenschützer in jedem Fall, abzuwarten, bis das Screening-Programm für Frauen von 50 bis 69 Jahren vollständig etabliert worden ist.

Um abzuschätzen, ob eine Ausweitung des Früherkennungsprogramms sinnvoll sein könnte, hat das BfS eine Nutzen-Risiko-Analyse vorgenommen. Dabei wurde die Zahl "geretteter Leben" infolge der Früherkennung ins Verhältnis gesetzt zur Zahl der Todesfälle durch "strahlenbedingten Brustkrebs". Dabei sind die Strahlenschützer davon ausgegangen, dass die Brustkrebssterblichkeit durch das Screening bei allen Altersgruppen um 25 Prozent zurückgeht.

Jährlich erkranken nach Angaben des Robert Koch-Instituts etwa 55 000 Frauen neu an Brustkrebs. Dabei beträgt das durchschnittliche Erkrankungsalter 62 Jahre. Etwa 17 600 Frauen sterben jedes Jahr an dieser Krebserkrankung. Für die Gruppe der 50- bis 69-jährigen Frauen ist die Mammografie nach Angaben der International Agency for Research on Cancer (IARC) derzeit die "effektivste Methode einer frühzeitigen Brustkrebsfindung", so das Bundesamt.

Bei den 50- bis 69-jährigen Frauen kann durch die Früherkennung die Zahl der jährlich etwa 7000 Brustkrebstodesfälle um 1750 bis 2450 Fälle sinken. Für Frauen zwischen 40- bis 49 Jahren sei dagegen gegenwärtig keine eindeutige Aussage zum Nutzen der Mammografie möglich.

Grund ist das - je nach Lebensalter - unterschiedliche zusätzliche Lebenszeitrisiko, aufgrund der Strahlenbelastung durch Mammografien an Brustkrebs zu erkranken. Bei Frauen liege nach neuen Risikomodellen die Wahrscheinlichkeit für strahlenbedingten Brustkrebs bei 0,025 Prozent. Bei einem Screening ab 45 Jahren verdoppele sich dagegen das zusätzliche Lebenszeitrisiko für Brustkrebs auf 0,05 Prozent, bei Frauen ab 40 Jahren würde es sich mit 0,09 Prozent sogar mehr als verdreifachen.

Für Frauen ab 50 Jahren beziffern die Strahlenschützer den Nutzen eines Screenings als 45-Mal höher im Vergleich zum Strahlenrisiko. Auf 45 Frauen, deren Leben durch die Früherkennung gerettet wird, kommt demnach eine Frau, die durch die zusätzliche Strahlenbelastung stirbt. Dagegen sei dieses Nutzen-Risiko-Verhältnis des Screenings für Frauen ab 40 Jahren um den Faktor 3 geringer, berichtet das BfS.

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