Ärzte Zeitung online, 10.02.2010

Ist eingeschränkte Hirnfunktion nach Krebstherapie nur empfunden?

MÜNCHEN (mn). Nach einer Chemotherapie klagen viele Patienten über Konzentrations- und Gedächtnisproblemen. Diese subjektiv empfundenen Gedächtnisstörungen konnten jedoch in Gehirnleistungstests nicht nachgewiesen werden. Es gibt eine Diskrepanz zwischen subjektiver Wahrnehmung und objektiv nachgewiesenen Defiziten.

Ist eingeschränkte Hirnfunktion nach Krebstherapie nur subjektiv empfunden?

Immer wieder klagen Patienten nach Chemotherapie über Gedächtnisstörungen. © Lisa F. Young / fotolia.com

Patienten, die über ein Chemobrain (eine Hirnleistungsstörung nach einer Chemotherapie) klagen, schneiden bei Konzentrationstest genauso ab, wie andere Patienten. Diese Diskrepanz zwischen subjektivem Eindruck und objektiven Störungen der geistigen Fähigkeiten wurde daher jetzt untersucht.

Ein Forscherteam um Dr. Kerstin Hermelink von der Universität in München untersuchte dafür mehr als 100 Brustkrebspatienten. Die Wissenschaftler vermuteten, dass andere Faktoren einen Einfluss auf den subjektiven Eindruck der Patienten haben. Deshalb berücksichtigten sie in ihrer Studie COGITO (Cognitive Impairment in Therapy of Breast Cancer) auch den Einfluss von Faktoren wie Depressivität, die Neigung zu negativen Gefühlen und die Intensität der Chemotherapie.

Die Ergebnisse zeigten, dass Patienten, die schon vor der Therapie vermehrt negative Gefühle hatten, auch von einer Beeinträchtigung ihrer geistigen Fähigkeiten berichteten. Die Ergebnisse der Gedächtnistests unterschieden sich aber nicht von Frauen, die keine geistigen Störungen bei sich festgestellt hatten. Auch die Intensität der Chemotherapie hatte keinen Einfluss auf die Testergebnisse, jedoch beeinflusste auch sie den subjektiven Eindruck der kognitiven Beeinträchtigungen (Psycho-Oncology online vorab).

Die Forscher schließen daraus, dass die Neigung zu negativen Gefühlen und Depressivität zu pessimistischen Einschätzungen der eigenen geistigen Fähigkeit führen können. Die wirklichen Einschränkungen der geistigen Funktion, die sich durch Tests nachweisen lassen, waren dagegen nur leicht und wurden von den Betroffenen überhaupt nicht wahrgenommen.

Diese Ergebnisse zeigten, dass die meisten Studien zum Thema Chemobrain nicht das nachgewiesen haben, worüber die Patienten klagten, so Hermelink.

Stichwort Chemobrain

Von einem Chemobrain wird gesprochen, wenn Patienten nach einer Chemotherapie feststellen, dass sie vergesslicher und zerstreuter sind als früher und ihnen Irrtümer und Fehler passieren. Sie denken, dass ihre geistige Fähigkeit nicht mehr die selben wäre, wie vor der Chemotherapie.

Abstract der Studie: "Two different sides of chemobrain: determinants and nondeterminants of self-perceived cognitive dysfunction in a prospective, randomized, multicenter study"

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