Ärzte Zeitung online, 04.03.2010

Bisphosphonat-Therapie: Dann haben Frauen ein geringeres Brustkrebsrisiko

MADISON (ikr). Bisphosphonate schützen nicht nur vor Osteoporose-bedingten Knochenbrüchen und Brustkrebsrezidiven, sondern anscheinend auch vor einem Ersttumor der Brust. Hinweise darauf gibt eine aktuelle Fall-Kontroll-Studie mit mehr als 5000 Frauen.

Bisphosphonat-Therapie: Dann haben Frauen ein geringeres Brustkrebsrisiko

Eine Therapie mit Bisphosphonaten senkt anscheinend das Brustkrebs-Risiko. © S. Kaulitzki / fotolia.com

Insgesamt 2936 Frauen mit einem invasiven Mammakarzinom sowie 2975 gesunde Frauen aus der Allgemeinbevölkerung wurden unter anderem nach der Anwendung von Bisphosphonaten befragt (British Journal of Cancer 102, 2010, 799). Die Frauen waren im Mittel 54 Jahre alt.

In der Brustkrebs-Gruppe hatten 128 (4,4 Prozent) jemals ein Bisphosphonat wie Alendronat, Ibandronat oder Zoledronat erhalten. In der Kontroll-Gruppe waren es jedoch 187 Frauen (6,2 Prozent). Das bedeutet nach den Berechnungen der US-Forscher: Frauen, die mit einem Bisphosphonat behandelt werden, haben ein etwa 30 Prozent geringeres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, als Frauen ohne eine solche Therapie. Das Ergebnis war unabhängig von Risikofaktoren für Brustkrebs wie familiärer Brustkrebs, Hormonersatztherapie, Osteoporose, Mammografien oder Rauchen.

Je länger Bisphosphonate angewendet werden, desto geringer ist offenbar das Brustkrebsrisiko. Eine weitere Erkenntnis: Dieser Zusammenhang wurde nur bei nicht adipösen Frauen beobachtet. Das könnte nach Einschätzung der Wissenschaftler damit zusammenhängen, dass adipöse Frauen höhere Östrogen-Spiegel haben und dies die schützende Wirkung der Bisphosphonate schmälert.

Nachgewiesen wurde bereits, dass Bisphosphonate bei Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium das Rezidivrisiko senken. Hierzu wurde im vergangenen Jahr eine Arbeit zu Zoledronat bei Frauen der Prämenopause publiziert (NEJM 360, 2009, 679).

Die US-Forscher haben eine mögliche Erklärung für die Schutzwirkung von Aminobisphosphonaten: Diese Substanzen hemmen nicht nur die Knochenresorption, sondern greifen in den Mevalonat-Stoffwechsel ein. Und dadurch könne auch das Überleben von Tumorzellen beeinträchtigt werden, so die Forscher.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Der Transgender-Trend

Paradigmenwechsel? Transsexuelle lassen sich sogar selbstbewusst für den "Playboy" ablichten. Psychiater warnen aber vor einem Geschlechtsdysphorie-Hype unter Jugendlichen. mehr »

Deshalb gibt's immer mehr Parkinsonkranke

Die absolute Zahl der weltweiten Parkinsonkranken hat sich seit 1990 mehr als verdoppelt. Forscher haben eine Vermutung, warum der Anstieg in manchen Ländern so stark ist. mehr »

Das Brexit-Brimborium

Unser Londoner Blogger Arndt Striegler hat alle Tests bestanden und ist nun britischer Staatsbürger. Doch auch als Passinhaber ist er sich sicher: Die Briten werden nach dem EU-Ausstieg nicht besser dastehen als vorher. mehr »